Mord in Istanbul: Ehemann tötet Frau wegen Facebook-Account

In der Türkei ist es am Donnerstag erneut zu einem dramatischen Fall von häuslicher Gewalt gekommen. Im Zuge eines Streits um die Eröffnung eines Facebook-Accounts hat ein Mann in Istanbul seine Ehefrau getötet. Sie war nicht die einzige, gegen die in den letzten Tagen die Hand erhoben wurde.

Gut die Hälfte aller türkischen Frauen hat bereits Gewalt durch einen Mann erlebt. (Foto: European Parliament/flickr)

Gut die Hälfte aller türkischen Frauen hat bereits Gewalt durch einen Mann erlebt. (Foto: European Parliament/flickr)

Der 26-jährige Sezer Yılmaz und seine erst 19 Jahre junge Frau Beyza Yılmaz gerieten in ihrer Wohnung im Istanbuler Bezirk Pendik in Streit, nachdem er herausgefunden hatte, dass sie sich offenbar ein Facebook-Profil angelegt hatte. Die Auseinandersetzung des Ehepaares eskalierte. Dabei schoss der Mann, so berichten die türkischen Medien, seiner Frau in Brust und Kopf.

Nachbarn, die die Schüsse gehört hatten, informierten sofort die Polizei und einen Rettungswagen. Die schwerverletzte Beyza wurde umgehend ins hiesige Krankenhaus gebracht, wo sie dann allerdings ihren Verletzungen erlag. Ihr Mann Sezer sitzt seitdem in Untersuchungshaft (vor einigen Wochen versuchte eine Dorfbewohnerin ihrem Mann zu entkommen, in  dem sie ihren eigenen Tod vortäuschte – mehr hier).

Zwei Frauen in Konya werden schwer verprügelt

Der Mord in Istanbul ist jedoch nicht der einzige Vorfall, der die türkische Bevölkerung in diesen Tagen aufschreckt (auch rund um Valentinstag kam es zu zahlreichen Zwischenfällen – mehr hier, mittlerweile wünschen sich Frauen sogar Waffen als Mitgift, um sich besser verteidigen zu können – mehr hier). In Konya hat ein Mann Ende der vergangenen Woche seine Ex-Frau schwer verprügelt, weil die sich weigerte, die vier gemeinsamen Kinder herauszugeben. So soll der nur als H.M. bekannte Mann zum Haus seiner Ex-Frau Gülbahar P. gekommen sein, um die Kinder mit sich zu nehmen. Als Gülbahar jedoch die Herausgabe verweigerte, entbrannte ein heftiger Streit, währenddessen er sie verprügelte und mit den vier gemeinsamen Kindern floh. Auch Gülbahar wurde in ein Krankenhaus eingeliefert und verlangt nun staatlichen Schutz vor ihrem Ehemann, der offenbar regelmäßig die Hand gegen sie erhoben hat (allein im vergangenen Jahr wurden in der Türkei 250 Mordfälle an Frauen bekannt. Die Dunkelziffer, so vermutet Amnesty International, liegt jedoch weitaus höher – mehr hier).

Schwere Schläge musste auch eine andere Frau in Konya einstecken, nachdem sie am vergangenen Donnerstag die Beziehung zu ihrem Freund beenden wollte. Der Streit zwischen Kezban G. und ihr Freund Mahmut. A. begann auf offener Straße, nachdem sie erfahren hatte, dass er bereits verheiratet ist. Als  Kezban G. Mahmut A. anschließend erklärte, dass Schluss sei, begann er sie in aller Öffentlichkeit zu misshandeln, bis Passanten eingriffen und die beiden trennen konnten. Während auch diese junge Frau im Hospital landete, befindet sich der Täter noch immer auf der Flucht.

Türkische Familienministerin macht sich stark für Frauen

Bereits Anfang Januar dieses Jahres forderte die türkische Ministerin für Familie und Soziales, Fatma Şahin, Schutz vor häuslicher Gewalt für alle Frauen – und das unabhängig von ihrem sozialen Status. „Wir möchten alle Frauen vor Gewalt schützen”, so die Familienministerin, „wir möchten die Einstellung ändern, dass es keinen Schutz gibt, wenn eine Heiratsurkunde fehlt“, zitiert sie die türkische Tageszeitung Zaman. Frauenrechtsgruppen hatten zuvor Einwände erhoben, die Sprache des Gesetzes suggeriere, dass nur verheirateten, verlobten oder geschiedenen Frauen gesetzlichen Schutz beanspruchen können. Auf alle anderen träfe das Gesetz nicht zu.

In der Türkei geben nach Zeitungsinformationen derzeit die Hälfte aller Frauen an, bereits physische oder sexuelle Gewalt von ihren Partner erfahren zu haben. Darüber hinaus werden jeden Tag durchschnittlich fünf Frauen Opfer von Gewalt (bisher können die Männer nach türkischem Gesetz erst nach einer Straftat belangt werden – mehr hier).

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