Rüstungsexporte: Türkei beliefert vor allem islamische Staaten

Bis zu eine Milliarde Dollar: Diese Summe konnte die Türkei im Jahr 2011 aus Rüstungsexporten generieren. Dabei handelte es sich bei acht von zehn Staaten, die türkisches Material importierten, um islamische Länder. Dies geht aus einer kürzlich veröffentlichten Liste der Vereinigung Türkischer Rüstungsexporteure hervor. An der Spitze der Staaten: Saudi Arabien.

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Aus dem Papier der Vereinigung Türkischer Rüstungsexporteure geht hervor, dass die Türkei im vergangenen Jahr Rüstungsexporte in Höhe von 400 Millionen US-Dollar getätigt hat. Tatsächlich, davon gehen Fachleute derzeit aus, beläuft sich die Summe allerdings auf weit mehr, nämlich gut eine Milliarde Dollar.

Besonderes Augenmerk wirft die Liste auf den Aufstieg Saudi Arabiens und anderer islamischer Staaten, die Verteidigungsgüter aus der Türkei beziehen. Tätsächlich sind das 80 Prozent der belieferten Staaten. „Das war nicht unsere Absicht, aber es ist richtig. Wir verkaufen zumeist an islamische Länder“, so ein leitender Beamter der Beschaffungsstelle gegenüber den türkischen Medien.

SaSaD berücksichtigt Umsätze des vierten Quartals 2011

Die SaSaD, die türkische Herstellervereinigung der Verteidigungsindustrie, gibt hingegen eine etwas ausgewogenere Einschätzung ab und berücksichtigt bei ihrer Betrachtung alle türkischen Exporte, inklusive ihrer Verkäufe im vierten Quartal des vergangenen Jahres. Aufgenommen werden dabei auch Unternehmen, wie die Turkish Aerospace Industries (TAI), die ebenfalls einen wichtigen Beitrag zu den Verkäufen durch Offsets, also so genannte Kompensationsgeschäfte, leisten. So erhielt die Türkei etwa große Offset-Rechte in Form bestimmter Teile für seine Beschaffung des Militärflugzeugs A400M.

Noch ist die Aufstellung der SaSaD aller türkischen Exporte des Jahres 2011 nicht komplett. Sie wird erst im kommenden April erscheinen, wenn alle Unternehmen ihre Zahlen für das vierte Quartal 2011 offengelegt haben. Doch laut SaSaD-Generalsekretär Kaya Yazgan deuten alle Anzeichen darauf hin, dass die türkischen Exporte ein Volumen von rund einer Milliarde Dollar aufweisen.

USA kaufen keine kompletten türkischen Panzer

Dennoch, so heißt es weiter, vermittle die Liste der Vereinigung Türkischer Rüstungsexporteure einen guten ersten Eindruck, wohin die türkischen Rüstungsgüter fließen würden. Aus der Liste könnten die Leser eher ersehen, welche Käufer türkische Komplettsysteme erworben hätten, als die totale Exporthöhe. „Offensichtlich kaufen die Vereinigten Staaten keine kompletten türkischen Panzer. Doch auf der anderen Seite kauft Saudi Arabien komplette türkische Panzerfahrzeuge“, so Yazgan weiter (die Türkei kauft aber durchaus US-amerikanisches Gerät. Anfang Januar wurde verkündet, das man zur Aufrüstung der Luftwaffe zunächst zwei F-35 Kampfjets bestellt hätte – mehr hier)

Auf der Liste der Vereinigung finden sich Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Vereinigten Staaten, Bahrain, Aserbaidschan, Turkmenistan, Kasachstan, Pakistan, der Libanon und schließlich Italien als die zehn Hauptabnehmer der Türkei (diese will nun auch ein erstes eigenes Flugzeug herstellen – mehr hier).

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