Libyen: Türkische Firmen sollen zurückkommen!

Der türkische Ministerpräsident forderte Libyen am vergangenen Samstag auf, die Miliz-Truppen aufzulösen, um die Sicherheit im Land wieder herzustellen und die Macht wieder an sich zu bringen. Währenddessen reichte sein libyscher Amtskollege den türkischen Unternehmen die Hand. Er lud sie dazu ein, wieder ins Land zu kommen, um dort ihre Bauprojekte in Milliardenhöhe zu beenden.

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Türkische Unternehmen waren vor Ausbruch des Aufstandes gegen Muammar al-Gaddafi im vergangenen Jahr in 214 libysche Bauvorhaben, einschließlich Krankenhäuser, Einkaufszentren und Fünf-Sterne-Hotels im Wert von mehr als 15 Milliarden Dollar involviert. Als die Türkei dann im Zuge der immer stärker werdenden Unruhen rasch 25,000 Arbeiter aus dem Land schaffte, sicherte man Libyen zu, dass man zurückkehren werde.

Libysche Regierung ist de facto machtlos

Bisher ist noch nicht klar, wie und wann eine Rückkehr türkischer Unternehmen vonstatten gehen könnte, obschon Gaddafi mittlerweile abgesetzt und getötet worden ist (der Chef des türkischen Religionsamtes kritisierte allerdings die Tötung Gaddafis – mehr hier). Denn: Derzeit halten sich hunderte bewaffneter Milizen, die im vergangenen Jahr al-Gaddafi von der Macht vertrieben haben, selbst an der Spitze der Macht. Die eingesetzte Regierung ist de facto machtlos, unfähig die Kämpfer zu zügeln, Institutionen wieder aufzubauen oder gar die weit verbreitete Korruption zu stoppen.

Der Nationale Übergangsrat, der das Land offiziell regiert, kämpft derzeit damit die Milizen in das Militär und in die Polizei zu integrieren. Gleichzeitg versucht man die Wirtschaft wieder auf die Beine zu bekommen und die Regierungsministerien, Gerichte und andere Institutionen, die unter Gaddafi ausgehöhlt wurden, neu zu formen. „Der Erfolg des Transformationsprozesses in Libyen ist direkt mit der Schaffung von Sicherheit verwebt. Ich glaube, die libysche Regierung wird das selbst nie zugeben“, so der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem libyschen Amtskollegen Abdel Rahim al-Keib. In diesem Rahmen, so der Premier weiter, sei es von vorrangiger Bedeutung, dass die Sicherheitskräfte umstrukturiert und die Milizen aufgelöst werden.

Erst vor kurzem war auch der türkische Polizeichef in Libyen zu Gast. Er führte Gespräche über die Restrukturierung und das Training der hiesigen Polizei (die Türkei hilft Libyen nicht nur finanziell, sondern gibt auch Knowhow weiter – mehr hier). Hierzu meinte Erdogan, dass die Türkei derzeit einige ernstzunehmende Schritte sowohl mit der Lieferung von Ausrüstungen als auch in der Ausbildung unternehme.

Libyen sieht die Türkei als vorbildliches Modell

Die Türkei strebt eine Vormachtstellung innerhalb der Region an, die auch dem Mittleren Osten und Nordafrika mehr Demokratie bringen soll. Vielen gilt die Türkei als Vorbild. Nicht nur wegen ihres demokratischen Systems, sondern auch auf Grund ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und muslimischen Identität (Erdoğan hat es verstanden, das Verhältnis von Religion und Staat ein Stück weit nach westlichem Vorbild zu normalisieren – mehr hier). Auch in Libyen ist man dieser Ansicht. „Wir sehen die Türkei als ein Modell,“ betont al-Keibu. „Wir hoffen, dass türkische Unternehmen so bald wie möglich zurückkommen.“ Al-Keib bat die Türkei um Hilfe beim Wiederaufbau Libyens, beim Training der Polizei sowie bei der Ausstattung der hiesigen Krankenhäuser. Hunderte verwundeter Libyer sind bereits in der Türkei behandelt worden (bereits seit vergangenen August werden Verwundete in die Türkei gebracht – mehr hier).

Zunächst hatte sich das NATO-Mitglied Türkei gegen eine militärische Intervention in Libyen ausgesprochen (für Syrien strebt man ebenfalls eine friedliche Lösung an – mehr hier). Doch allmählich zerbrachen die langjährigen Verbindungen mit dem einstigen Machthaber al-Gaddafi und die Türkei begann die Luftangriffe der Allianz zu unterstützen (Anfang Juli 2011 wurde der türkische Botschafter abberufen – mehr hier, bereits im März gab es die ersten Luftschläge durch Frankreich, England und die USA – mehr hier).

Türkische Bauherren wichtiges Standbein Libyens

Die freundschaftlichen Verbindungen zwischen der Türkei und Libyen reichen bereits in die 70er Jahre zur Zeit der Besetzung Nordzyperns zurück. Seither wurden auch türkische Bauherren zu einem wichtigen Standbein innerhalb der libyschen Auslandsgeschäfte und das trotz des späteren Zustroms der Chinesen, Russen und einigen anderen. Kurz vor dem Aufkommen der Unruhen in Libyen betrug das bilaterale Handelsvolumen zugunsten der Türkei 2,4 Milliarden Dollar. Beide Länder verzichteten zugunsten des Handels auch auf Reisevisa (diese Vorgehen will der türkische EU-Minister Egemen Bağış auch in Europa sehen – mehr hier). Auch Erdogan reichte nun die Hand und erklärte, dass Turkish Airlines sein Flugvolumen zugunsten des Handels und des Tourismusses steigern werde.

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