Bergkarabach-Massaker: Tausende Aserbaidschaner und Türken protestieren in Istanbul

Die Straßen vom Istanbuler Stadtteil Taksim füllten sich am Sonntag mit tausenden von Menschen, die am 20. Jahrestag des Massakers an Aserbaidschanern in Xocalı gedachten.

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Politiker, Künstler und tausende Türken und Aserbaidschaner erinnerten am Sonntag an das Massker von Xocalı. In der Stadt in Bergkarabach wurden am 25. Februar 1992 über hundert aserbaidschanische Zivilisten von armenischen Truppen getötet. Nach aserbaidschanischen Quellen handelte es sich um mehrere hundert Opfer und die Regierung spricht vom Xocalı-Völkermord.

Am Sonntag meldete sich in Taksim die 20-Jährige Zarife Guliyeva zu Wort. Ihre Mutter sei am Tag des Massakers mit ihr schwanger gewesen. „Meine Mutter wurde von vier Kugeln getroffen. Ich hatte Glück, denn meine Mutter ist nicht gestorben und ich wurde geboren. Schwangeren Frauen wurden die Bäuche aufgeschlitzt und die Säuglinge herausgeholt. Sie wurden brutal getötet. Ich bin wegen diesen Kindern hier. Welt: Wo ist deine Gerechtigkeit? Ich habe Sarkozy und Sargsjan in Briefen davon geschrieben. Erkennt den Genozid an, habe ich geschrieben. Wo ist eure Gerechtigkeit?“, rief Guliyeva der Menge entgegen.

Die Sänger Murat Kekilli, Mustafa Yıldızdoğan und Alişan nahmen ebenfalls an der Kundgebung teil. Mit der Großdemonstration haben sich viele Türken vor allem erneut gegen Frankreich gewandt (das französische Parlament hatte für die Anerkennung des armenischen Genozids durch die Osmanen gestimmt – mehr hier und hier). Seitdem Sarkozy sich für das Genozid-Gesetz in Frankreich eingesetzt hat, macht sich die Bevölkerung und die Regierung in der Türkei für Aserbaidschan stark (Gül und Erdogan wollen, dass Frankreich nicht mehr in der Gruppe zur Schlichtung des Bergkarabach-Konflikts teilnimmt – mehr hier und hier).

Im Bergkarabach-Konflikt kämpfen Aserbaidschaner und Armenier um die Vorherrschaft in der Region. Immer wieder kam es in der Region zu blutigen Kämpfen. Das Massaker von Xocalı ist einer der bekanntesten. Armenien betrachtet die Vorkommnisse im Gegensatz zu Aserbaidschan nicht als Völkermord. Sie sind der Ansicht, dass es bei Militäroperationen zu den Opfern kam. Dies läge allerdings auch an der Verhinderung einer Evakuierung durch Aserbaidschan.

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