Nordzypern: Keine Friedensverhandlungen während EU-Ratspräsidentschaft von Griechisch-Zypern

Nur noch bis zum 1. Juli sind Gespräche möglich, danach werden die Friedensverhandlungen auf Zypern gestoppt, sagt der türkisch-zypriotische Präsident Eroğlu. Ab diesem Zeitpunkt hat Südzypern die EU-Ratspräsidentschaft inne.

„Sollten wir bis zum 1. Juli nicht zu einer Einigung [in der Zypernfrage, Anm. der Redaktion] kommen, gibt es keinen Grund mehr Verhandlungen weiterzuführen“, erklärte der türkisch-zypriotische Präsident Derviş Eroğlu bei einem Pressegespräch am Samstag in Nicosia. Der 1. Juli sei die „Deadline für die Zukunft der Hoffnung auf eine Lösung“ der Zypern-Frage. Auch nach Ende der Ratspräsidentschaft sei keine gute Zeit für die Verhandlungen in Sicht, vermutet Eroğlu. 2013 stehen in Griechisch-Zypern Wahlen an und er ist der Meinung, dass hier türkei-kritische Parteien die Regierung stellen würden.

Seitdem Christofias der Präsident von Griechisch-Zypern wurde, hätten sich die Verhandlungen nach Angaben Eroğlus sehr erschwert. Bei mehr als hundert Gesprächen der beiden Präsidenten, in denen es vor allem um die Herrschaftsverteilung auf Zypern, Besitztümer und Staatsbürgerschafts-Fragen ging, habe die türkische Seite Zyperns ein Maximum an Kompromissbereitschaft gezeigt. Die Vorschläge Nordzyperns seien von Hristofyas allerdings immer abgelehnt worden, sagt Eroğlu (selbst die UN reagiert mittlerweile frustriert – mehr hier).

Kolonialherrschaft: Ursprung des Zypern-Konflikts

Seit Jahren zieht sich der Konflikt um die Machtverhältnisse auf Zypern hin. 1983 wurde die türkische Republik Nordzypern (KKTC) gegründet. Diese ist allerdings, außer von der Türkei, international nicht anerkannt (auch die EU-Mitgliedschaft hängt an dieser Frage – mehr hier). Der Ursprung des Konflikts liegt jedoch in der Kolonialzeit der Insel. Bis zu der Kolonialisierung durch das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland im 19. Jahrhundert lebten die verschiedenen ethnischen Gruppen auf Zypern friedlich miteinander.

Das Verlangen einer Angliederung an Griechenland durch die Bevölkerung wurde von Großbritannien unterdrückt. Die Bevölkerungsgruppen wurden unter Zwang voneinander getrennt und besuchten beispielsweise verschiedene Schulen, sodass die beiden Seiten gegeneinander ausgespielt wurden und Großbritannien die eigene Herrschaft legitimieren konnte.

Folglich versuchten die türkischen Zyprioten eine Angliederung an Griechenland zu verhindern, hier fürchteten sie Unterdrückung durch die Übermacht der Griechen. Die Briten unterstützen die Türken auf Zypern bei der Gründung einer eignen Untergrundorganisation. Diese sollten die Untergrundorganisation der griechischen Zyprioten bekämpfen, bis die Forderung einer Teilung Zyperns immer größer wurde.

Durch die künstlich herbeigeführte Trennung kam es schließlich 1956 zu einem ausgewachsenen Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei. Es kam immer wieder zu blutigen Kämpfen zwischen den Bevölkerungsgruppen. In den 1960er Jahren eskalierte der Konflikt zu einem Bürgerkrieg. Allein im Sommer 1964 kamen 350 türkische und 200 griechische Zyprioten ums Leben. Bekanntheit erlang in dieser Zeit die Terrorgruppe um den sogenannten „Türkenkiller“ Nikos Sampson. In Istanbul kam es immer wieder zu Übergriffen an der dort heimischen griechischen Minderheit. Die Teilung der Insel vollzog sich schon in dieser Zeit durch die Flucht der verschiedenen Ethnien aus den gemischten Orten der Insel.

1974 marschierten türkische Truppen ein und besetzten 40 Prozent der Insel, dabei ließen sie der griechischen Bevölkerung die Möglichkeit der Flucht, der Rest wurde mit Gewalt vertrieben. Bei der Invasion kam es zu hunderten von Opfern. Bis heute wird der Konflikt, der durch ausländische Mächte provoziert wurde, durch Griechenland und die Türkei weitergeführt (Ölbohrungen von Griechisch-Zypern an der Küste von Nordzypern verschärfte den Konflikt in jüngster Zeit – mehr hier).

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