Iranisches Staatsfernsehen: Dieser Oscar ist ein Sieg über Israel!

Bereits vor einem Jahr gab es den Goldenen Bären. Nun sahnte Asghar Farhadis Scheidungsdrama ''Nader und Simin - Eine Trennung" als bester nicht-englischsprachiger Film einen Academy Award ab. Es ist der erste Oscar für einen iranischen Film. Das hiesige Staatsfernsehen feiert euphorisch.

Das iranische Staatsfernsehen beschrieb die Auszeichnung in der Oscar-Nacht als nationalen Triumph und als einen Sieg über Israel. Diese offizielle Geste sei eine absolute Bestätigung und richte sich gegen alle Hardliner, die die iranische Filmindustrie kritisierten. Immerhin hatte man Erzfeind Israel und dessen Streifen „Footnote“von Joseph Cedar mit der im Iran mehrfach ausgezeichneten Produktion “Nader und Simin – Eine Trennung“ geschlagen – und damit einen „zionistischen Film hinter sich gelassen“.

Der Iran hat eine umfangreiche Filmindustrie. Die Produktionen des Landes stießen bereits in der Vergangenheit auf breite internationale Anerkennung, selbst dann, als andere Wirtschaftsbereiche des Landes mit Sanktionen belegt wurden und sich das Land auf Grund Teherans umstrittenen nuklearen Programms internationalem Druck ausgesetzt sieht (in diesem Konflikt könnte die Türkei ein Vorbild sein – mehr hier).

Schauspieler und Künstler arbeiten unter harten Bedingungen

Auch der Sport wird von der iranischen Regierung hochgehalten und Siege der Athleten als Zeichen nationaler Größe gefeiert. Gleichzeitig blickt man oft herablassend auf internationale Auszeichnungen herab. Obschon hochgeschätzt hat das rigorose Vorgehen der Regierung in den letzten Jahren einige Schauspieler, Künstler und andere Personen dazu gebracht, aus dem Land zu fliehen oder ihre Arbeit im Untergrund fortzusetzen. Auch die Themen in “Nader und Simin – Eine Trennung“, nämlich häusliches Chaos, die Ungleichheit der Geschlechter und der Wunsch von vielen Iranern, das Land zu verlassen, sorgten bei einigen iranischen Konservativen für Unmut. Für den Moment treten diese jedoch in den Hintergrund. Zu wichtig erscheint jetzt der Glanz der Oscars.

“Nader und Simin – Eine Trennung“ erzählt die Geschichte eines Paares, das auf eine Scheidung zusteuert und zuhause mit diversen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Der Film porträtiert einen Ehemann, der sich um seinen an Alzheimer erkrankten Vater kümmert und dadurch in einen Konflikt mit seiner Ehefrau gerät, die das Land verlassen möchte. Immer dazwischen: die kleine Tochter der beiden.

“Nader und Simin – Eine Trennung“ für die Menschen im Iran

Regisseur Asghar Farhadi widmete die Trophäe den Menschen im Iran. Mit Blick auf die angespannte Beziehung zum Westen betonte der Filmemacher, dass die Iraner ein Volk seien, „das alle Kulturen und Zivilisationen respektiert und Feinseligkeit und Ressentiments verachtet“. Dass der Oscar-Gewinn nicht alle in der iranischen Regierung erfreuen wird, dessen ist er sich wohl bewusst. Doch die iranischen Künstler und die Öffentlichkeit würden sich sehr darüber freuen.

Die iranische Regisseurin Tahmineh Milani bezeichnete die Auszeichnung als Hoffnung für ihr Land. Kino-Kolumnist Nima Behdadi Mehr hofft hingegen, dass das iranische Kino so endlich aus seiner Isolation komme.

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