Dänische Geschichtsbücher: Atatürk war ein Diktator

Der Gründer der Türkischen Republik habe nicht gewusst, was Demokratie bedeute - ebenso wie Hitler, Mussolini und Stalin. Diese umstrittenen Aussagen in dänischen Geschichtsbüchern versetzen viele Türken in Aufruhr.

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Der "Vater der Türken" soll ein Diktator gewesen sein - diese Aussage versetzt viele Türken in Aufruhr. Sie könnte aber auch zu einem Tabubruch führen. (Foto: Flickr/nelsonbboying)

Der "Vater der Türken" soll ein Diktator gewesen sein - diese Aussage versetzt viele Türken in Aufruhr. Sie könnte aber auch zu einem Tabubruch führen. (Foto: Flickr/nelsonbboying)

Dänische Geschichtsbücher versetzen derzeit Türken in Dänemark als auch in anderen Ländern in Aufruhr. In den Geschichtsbüchern der Oberstufe wird Atatürk mit Hitler, Mussolini und Stalin verglichen. Außerdem bewerten die Autoren des Buches die Aufhebung des Kalifats als einen Schritt zur Unterdrückung des Islams.

Das 150 Seiten umfassende, ergänzende Lehrbuch mit dem Titel: „Türkei – Geschichte, Gesellschaft, Religion“ beschäftigt sich mit wichtigen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in der Türkei seit dem Osmanischen Reich. Dabei liegt ein Fokus auf den Veränderungen seit Atatürk bis heute, dem Verhältnis zwischen Religion und Politik und den wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen. Auch geht das Buch auf die Rolle der Religion ein und informiert über den Sufismus, der Orden der Nakschibendi, das Alevitentum sowie das Bektschitentum. Dabei werden Aleviten und Kurden als unterdrückte Gruppen in der Türkei beschrieben. Atatürk hingegen, so heißt es in dem Lehrbuch, habe nicht gewusst, was Demokratie bedeute und sei mit Hitler, Mussolini und Stalin zu vergleichen. (Kürzlich sind US-amerikanische Archivaufnahmen mit dem Titel “Incredible Turk” aufgetaucht, mehr hier)

Reformen wie die Aufhebung des Kalifats, der Übergang von den religiösen Medrese-Schulen zum modernen Unterrichtssystem, die Einführung des lateinischen Alphabets und die Einführung der westlichen Kleiderordnung werden dagegen als Maßnahmen bewertet, die das Ziel hatten, den Islam zu unterdrücken. (Bei aller Kritik an dem Staatsgründer gilt er in vielen arabischen Ländern als Wegbereiter, durch den die Politik Erdoğans Früchte tragen kann, mehr hier)

Im Bezug auf die Situation der heutigen Türkei hingegen wird Fethullah Gülen als Reformer dargestellt.

 

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