24 Jahre nach Meryl Streeps „Schrei in der Dunkelheit“: Babymord durch Dingo wird neu untersucht

Als Meryl Streep am Sonntag ihren dritten Oscar in Empfang nahm, erinnerte sie sich zurück an ihre grandiose Karriere. Ob sie dabei auch an ihre Rolle als Lindy Chamberlain dachte, für die sie vor mehr als zwei Dekaden ebenfalls für einen Award nominiert war, scheint jedoch fraglich. Jetzt kehrt die Erinnerung sicher zurück. Denn der reale Fall hinter dem Film wird neu aufgerollt.

24 Jahre ist es her, seit Meryl Streep und ihr Partner Sam Neill das Publikum in Fred Schepisis „Schrei in der Dunkelheit“ („Evil Angels in Australia“) fesselten. Der Fall einer australischen Mutter, die ins Gefängnis gesteckt wurde, weil sie ihre neun Wochen alte Tochter ermordet haben soll, bewegte 1988 die Kinozuschauer auf der ganzen Welt.

Jetzt, so berichtet der „Guardian“ wird der reale Fall hinter der Hollywood-Produktion noch einmal untersucht. Wurde das Baby wirklich von einem Dingo verschleppt, wie die Mutter Lindy Chamberlain steif und fest behauptete? Oder ist der zunächst so idyllische Campingurlaub am Ayers Rock im Jahr 1980 doch ganz anders verlaufen?

Am vergangenen Freitag rollte die höchste Gerichtsmedizinerin des Bundesstaates Northern Territory, Elizabeth Morris, die dramatischen Geschichte rund um Lindy Chamberlain und ihren Ex-Mann Michael Chamberlain neu auf. Der Fall erregte vor mehr als 30 Jahren weltweites Aufsehen. Lindy Chamberlain wurde zur meistgehassten Frau Australiens. Niemand glaubte ihrer so abstrus wirkenden Geschichte. Die Medien hetzten, was das Zeug hielt. Zunächst zu einer lebenslangen Haftstrafe mit Zwangsarbeit verurteilt, wurde ihr Fall einige Jahre später neu aufgerollt und Lindy frei gelassen. Die Behörden hatten mittlerweile eine Jacke des Babys an einem abgelegenen Ort in der Nähe eines Dingobaus gefunden. Auch Michael Chamberlain kam frei, nachdem er zunächst zur Beihilfe am Mord verurteilt worden war.

Lindy Chamberlain will vollständige Rehabilitation

Doch auch 32 Jahre nach dem Unglück lässt die heute 63-jährige Lindy Chamberlain-Creighton, sie hatte nach der Scheidung erneut geheiratet, der Fall nicht los. Sie selbst wandte sich ans Gericht, um ein für allemal zu beweisen, dass ihre Tochter am 17. August 1980 tatsächlich von einem Dingo verschleppt worden ist. Eigentlich war das einstige Ehepaar schon 1988 von einer Beteiligung am Mord von Azaria freigesprochen worden. 1995 folgte eine teilweise Rehabilitation. Ein eindeutiges rechtsmedizinisches Gutachten gab es allerdings nicht. Und auf Azarias Sterbeurkunde steht noch immer: Todesursache „unbekannt“. Kann jetzt endlich ein Schlussstrich unter den Fall gezogen werden?

Chamberlain-Creighton ist sich sicher, dass neue Erkenntnisse über die Gefahr, die tatsächlich von Dingos ausgeht, auch in ihrem Fall die Behörden überzeugen werden und sie endlich ihrer Geschichte, dass ein Dingo Azaria fortgerissen hat, Glauben schenken werden. Seit ihrer Freilassung hatte sie sich mit nichts anderem befasst und auf ihrer Darstellung, einen davonlaufenden Dingo gesehen zu haben kurz bevor sie das leere Körbchen im Zelt entdeckte, beharrt. Vor 30 Jahren gingen die Experten jedoch davon aus, dass diese Tiere nicht stark genug wären, um ein Baby davon zu tragen. Doch seit 1980 haben sich in Australien zahlreiche Dingo-Attacken zugetragen. Teils mit verheerenden Folgen. „Ich habe die Hoffnung, dass die Australier endlich gewarnt werden und erkennen, wie gefährlich diese Tiere sind“, so Lindy Chamberlain-Creighton. Ein abschließender Urteilsspruch steht derzeit noch aus.

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