Medikamenten-Deal über die Türkei: Ägypter kauft gefälschtes Anti-Krebs-Mittel

In den USA und Europa könnten gefälschte Versionen des Krebs-Medikaments Avastin im Umlauf sein. Ein Ägypter soll die Medikamente in der Annahme es handele sich um das echte Anti-Krebs-Mittel, über einen Mittelsmann in der Türkei gekauft haben.

Milad Kamal Ayad, der nach eigenen Angaben für das Unternehmen SAWA arbeitet, erklärte gegenüber Reuters, er habe für die schweizer Firma Hadicon AG 167 Päckchen Avastin, das bei der Krebsimmuntherapie genutzt wird, über einen syrischen Geschäftsmann aus der Türkei gekauft. Die Medikamente stellten sich allerdings schnell als Fälschung heraus.

Die gefälschten Mittel könnten bereits Kliniken in Kalifornien, Texas und Illinois erreicht haben, berichtet Reuters. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass sie schon in Europa in Umlauf seien. Der Avastin-Hersteller Roche erklärte daraufhin, die erworbenen Produkte haben keine lebensverlängernde Wirkung, sondern enthalten Salz, Stärke und eine Vielzahl von Chemikalien.

Gefälschtes Avastin schon 2009 in Syrien aufgetaucht

Ob der Ursprung der unbrauchbaren Medikamente die Türkei ist, sei auch nicht klar, denn die Produkte gehen von einem Händler zum anderen über. Ayad versicherte, er habe beim Kauf der Medikamente nicht gewusst, dass es sich um Fälschungen handele. Eine Probepackung, die er von dem Syrer erhielt, sah aus wie das Original, berichtet er. Roche verkündete dann am Freitag, dass gefälschtes Avastin schon 2009 in Syrien aufgetaucht sei, 2010 dann auch in Shanghai.

Hadicon habe mit SAWA zusammengearbeitet, um das Krebsmittel zu erhalten. Ayad habe das Mittel von einem gewissen Mohamed Fakkas el-Beid, einem syrischen Geschäftsmann, der in Alexandria lebt, erhalten. Er legte als Beweis einen Vertrag vor. Das Dokument bescheinigt, dass Ayad die Medikamente im vergangenen Jahr von el-Beid erhalten hat und dieser sie von einer Istanbuler Firma habe. Allerdings sei kein Hersteller und auch kein Unternehmen genannt worden. Der Vertrag ist zudem erst nach Bekanntwerden der Fälschung aufgesetzt worden. Ein Originaldokument gibt es nach Angaben Ayads nicht.

Firma namens SAWA überhaupt nicht registriert

Noch mysteriöser wird der Fall allerdings als Roche weiter erklärte, in Ägypten gäbe es nur einen offiziellen Avastin-Händler, nämlich Egydrug. Nach Angaben des ägyptischen Gesundheitsministeriums sei überhaupt keine Firma mit dem Namen SAWA registriert, die Medikamente importieren oder exportieren dürfe.

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