Eklat an dänischer Kochschule: Muslim muss Schweinefleisch essen

Esst und trinkt, sonst gibt es keinen Abschluss: Mit dieser deutlichen Mahnung wurden in Dänemark muslimische Kochschüler dazu gezwungen Schweinefleisch und Wein, beides ist nach den Lehren des Islam nicht gestattet, zu verkosten.

İkram Korkmaz, Sohn türkischer Migranten in Dänemark, schrieb sich kürzlich in das „Copenhagen Hospitality College“ in Valby ein, um sich dort seinen Kindheitstraum zu erfüllen und Koch zu werden. Bereits kurz nach Beginn der Ausbildung, so berichtet die türkische Zeitung „Zaman“, sei er jedoch dazu aufgefordert worden Gerichte zu kochen, die Schweinefleisch enthielten.

Da İkram mit der dänischen Kultur bestens vertraut ist, gelang es ihm auch diese Speisen nachzukochen. Das allein genügte der Schulleitung allerdings nicht (auch in Deutschland herrscht ein einseitiges Islambild – mehr hier). Sie verlangte von ihm, dass er das Schweinefleisch auch probieren müsse. Als sich Korkmaz schließlich aus religiösen Gründen weigerte, erklärten ihm seine Lehrkräfte, dass er unter diesen Umständen keinen Abschluss erhalten könne. Er müsse Schwein und auch Wein probieren. „Ich war sehr beunruhigt als mich mein Lehrer gebeten hat, Schwein und Wein zu verkosten“, erzählt İkram Korkmaz gegenüber der Zeitung. „Doch als ich dann zum stellvertretenden Schuldirektor ging, um mich darüber zu beschweren, sagte er mir das Gleiche. Als letzten Ausweg suchte ich schließlich den Direktor auf. Doch auch er erklärte mir, dass Schüler in dieser Schule das Essen, das sie zubereiten auch probieren müssten.“

Imam hat nichts gegen Genuss von Schweinefleisch

İkram, der bereits einen Abschluss an einer türkischen Imam Hatip Schule gemacht hat, berichtet weiter, dass die dänische Schule sogar einen Imam in die Einrichtung gebracht hätte, der den jungen Muslimen erkläret hätte, dass es vom islamischen Standpunkt aus völlig in Ordnung sei Schweinefleisch zu probieren. Als Korkmaz versucht hätte seinen Mitschülern das Gegenteil zu erklären, sei er von der Schulleitung auf die Worte des Imams verwiesen worden. Für ihn allerdings kein schlüssiges Argument: „Vielleicht glaubten einige muslimische Schüler das, was der Imam da erzählte und versuchten das Schweinefleisch, aber ich werde das nicht tun“, so İkram entschlossen.

Für İkram Korkmaz ist klar: Diese Schule diskriminiert muslimische Schüler (im letzten Sommer starb ein junger Türke in dänischer Haft – mehr hier). Sie mache aus ihnen Arbeiter anstelle von Köchen. Zwei irakische Mitschüler hätten die Anstalt auf Grund des Drucks von der Schulverwaltung bereits verlassen. Doch die Schule beharrt auch gegenüber den Medien auf ihrem Standpunkt (auch Dänemark selbst baut die Grenzkontrollen wieder aus – mehr hier). Wie Direktor Soren Kühlwein Kristiansen im dänischen Fernsehen noch einmal betonte, sei absolut nichts Falsches daran, wenn Muslime Schweinefleisch essen würden. Wenn sie einen Abschluss an seiner Schule machen wollten, dann müssten sie auch alles verkosten, was sie zubereiten. Schüler, die sich weigerten, würden demzufolge auch kein für den Abschluss nötiges Praktikum erhalten.

Beschwerde beim dänischen Bildungsministerium

Nichtsdestotrotz gibt es auch in Dänemark eine Menge muslimischer Restaurants für die derzeit mehr als 300,000 dort lebenden Muslime. Auch für Korkmaz, so berichtet er selbst, sei es kein Problem gewesen Praxis zu sammeln. Gleich das erste Restaurant habe ihn als Praktikanten eingestellt. Mit Hilfe seiner Frau Britt Maria Christensen hat Korkmaz mittlerweile Beschwerde gegen die Schule beim dänischen Bildungsministerium eingereicht. Eine Antwort wird binnen der nächsten zwei Wochen erwartet.

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