Wie zur dunklen NS-Zeit? Häuser von Aleviten in Adıyaman gekennzeichnet

Als die Provinz Adıyaman am Morgen erwacht, sind die Häuser von 45 alevitischen Familien besudelt. Die Bevölkerung macht sich Sorgen: Vor 30 Jahren war etwas ähnliches geschehen - damals wurden 150 Menschen getötet.

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Wer hat die Häuser alevitischer Mitbürger mit roter Farbe besudelt? Noch tappen die Behörden im Dunkeln. (Foto: Flickr/nettaphoto)

Als die Bewohner der südöstlichen Provinz Adıyaman heute Morgen aufwachten, waren sie mit einem Bild konfrontiert, das unter anderem an die dunkle NS-Zeit der deutschen Geschichte erinnert: Die Häuser von 45 alevitischen Familien waren über Nacht mit roter Farbe gekennzeichnet worden.

Nachdem Hüseyin Aygün der CHP in Tunceli über das Internet den Vorfall publik gemacht hat, haben das Gouverneursamt und die Polizei Ermittlungen eingeleitet.

Ömer Karakuş, Journalist der Tageszeitung „Adıyaman Bugün“, macht darauf aufmerksam, dass es in der Provinz bis dahin noch nicht zu konfessionellen Konflikten gekommen war. (Im vergangenen Sommer war in Adıyaman das erste städische syrisch-orthodoxe Gottes- und Kulturzentrum seit dem Osmanischen Reich wieder eröffnet worden, mehr hier) Es könne sein, dass es sich bei den Besudelungen um eine Provokation handelt.

Der Vorsitzende des Jugendverbandes des Alevitischen Kulturvereins von Adıyaman, Faik Taş, fühlt sich an einen Vorfall aus der dunklen Geschichte der Türkei erinnert: Vor dem Massaker in Maraş im Jahr 1978 waren die Häuser der Aleviten markiert worden. Daher seien die Aleviten sehr besorgt. Bei dem Massaker in Maraş waren 200 Häuser von Aleviten sowie 100 Büros zerstört worden. Damals waren in einer Wochen 150 Menschen umgekommen.

Der Gouverneur von Adıyaman, Ramazan Soda sagte, zurzeit untersuche man noch, aus welchem Grund die Häuser bemalt worden waren. „Die Häuser von manchen unserer Bewohner wurden mit Filzstiften bemalt. Noch wissen wir aber nicht weshalb. Es kann auch sein, dass Kinder das gemacht haben. Wir untersuchen das und versuchen herauszufinden, wer das gemacht hat“, zitiert ihn die Internetzeitung Bianet.

Hüseyin Aygün von der CHP teilte mit, er habe bereits mit dem Innenminister İdris Naim Şahin, über den Vorfall gesprochen. Die betroffenen Familien haben beim Gericht in Adıyaman Anzeige erstattet.

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