Facebook zensiert anti-türkische Inhalte

Bei Facebook unterliegen Bild- und Textinhalte über die Türkei einer Zensur - aus Sorge, das türkische Klientel zu vergraulen, beugt sich das soziale Netzwerk der Politik des Landes.

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Dass bedenkliche Bild- und Textinhalte bei Facebook einer Zensur unterliegen, ist kein Geheimnis. Demnach werden solche Beiträge der User gelöscht, die sexuelle, gewalttätige und hasserfüllte Inhalte haben. Allerdings scheint die Zensur bei Beiträgen mit Türkei-Bezug noch einen Schritt weiterzugehen. Wie die Seite Gawker.com kürzlich mitteilte, hat ein ehemaliger Angestellter der Firma „oDesk“, die mit der Beaufsichtigung der Inhalte der Facebook-User beauftragt war, bislang geheim gehaltene Informationen preisgegeben:

In einem 17 Seiten umfassenden Papier legt er offen, dass es eine strikte Politik gebe, wenn es um Themen wie die Türkei, ihren Gründer Mustafa Kemal Atatürk, Kurden und den inhaftierten Abdullah Öcalan gehe. Kein anderes Land „genießt“ solch Zensurprivilegien.

User: Facebook hilft kurdische Themen zu verbieten

Die Meldung sorgte für hinreichend Empörung bei den Usern: „Die EU bestraft die Türkei, weil sie die Meinungsfreiheit einschränkt und Facebook hilft der Türkei, kurdische Themen zu verbieten. Was sagst du dazu, EU?“, zitiert die Seite aina.org einen Twitteruser. Ein anderer User bezeichnete das soziale Netzwerk als „Fascistbook“. (Der Kolumnist Mehmet Altan hatte gesagt, die türkische Regierung ersticke jede Kritik im Keim, mehr hier)

Wie aus dem Bericht hervorgeht, haben die Moderatoren die Anweisung, einen angezeigten Inhalt entweder freizuschalten oder zu löschen oder aber an ein internes Überprüfungsteam weiterzuleiten.

PKK-Themen sind ein No-Go bei Facebook

Laut Handbuch sollen vier Typen von Inhalten weitergeleitet werden: Leugnung des Holocaust mit Hassausdrücken, alle Angriffe auf Atatürk in Wort und Text, Karten von Kurdistan und Verbrennen der türkischen Flagge. Zwei weitere Themen, die weniger offensiv aber dennoch als unakzeptabel gelten, sind „jegliche PKK-Unterstützung“ und alles mit PKK-Bezug auch ohne Inhalt. Kurdische Flaggen hingegen sollen „ignoriert“ werden, d.h. sie sind erlaubt. Ein Update des Handbuchs mache jedoch die Moderatoren darauf aufmerksam, auf den Unterschied zwischen PKK und Kurdistan-Flaggen zu achten.

Den Grund für diese Unterordnung unter die türkische Zensurpolitik haben die User längst erkannt: „Facebook wollte in der Türkei nicht verboten sein. Deswegen hat Zuckerberg seine Seele an den Teufel verkauft und unterstützt nun die Unterdrückung von Kurden“, schreibt ein User auf Twitter.

Bereits in der Vergangenheit hatte die Türkei den Zugang zu Seiten sperren lassen, die sie für offensiv bewertet, darunter auch Youtube. Dabei bezieht sie sich auf Artikel 301 des türkischen Strafgesetzbuches, der „die Beleidigung des türkischen Volkes, der Republik und die Regierung“ unter Strafe stellt.

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