Islamdebatte: Horror-Studie entpuppt sich als differenzierter Bericht

Die Islamdebatte wird mit allen Mitteln der Panikmache am Leben gehalten, obwohl gerade die neueste Studie viel mehr enthält, als in den Vorab-Berichten geschildert.

Eine Studie über Muslime in Deutschland bringt erschreckende Tatsachen ans Licht. Überall in Deutschland lauern sie. Streng religiöse Muslime mit „tendenzieller Gewaltakzeptanz“, die Integration ablehnen. Das Horrorszenario wird untermauert mit düsteren Bildern von verschleierten Frauen und fanatisch anmutenden jungen Männern.

Um 11:30 war es dann so weit. Das Bundesinnenministerium veröffentlichte die „Schock-Studie“. Die Versprechungen wurden allerdings nicht eingehalten. Ein Schock war das Lesen der Studie allemal. Denn die Beschreibung der gegenüber dem Westen hasserfüllten Jugendlichen, sucht man vergeblich.Vielmehr stellt sich heraus, wie vielschichtig die Gruppe der Muslime ist.

Wer sich besonders in jüngster Zeit angesichts der um sich greifenden Islamisierung in Deutschland unwohl fühlt, sollte mit der Studie nun auch ruhiger schlafen können (Innenminister Friedrich hat den Deutsch Türkischen Nachrichten zu diesem Thema ein Interview gegeben – mehr hier). Denn viel mehr als die erste und zweite Generation der Muslime nicht-deutscher-Herkunft habe die dritte Generation bereits ein tatsächliches „Zugehörigkeitsgefühl zu Deutschland“ entwickelt und das „Deutsch-Sein“ sei „ein wichtiger Teil der eigenen Selbstwahrnehmung“, so die Ergebnisse der Studie (der ehemalige Bundespräsident Wulff hat das Gefühl der Zugehörigkeit gestärkt – mehr hier). Es entwickelt sich also alles zum Besten.

So wie sich die Jugendlichen eines jeden Landes und jeder Religion zeitweise versuchen von der Mehrheitsgesellschaft abzugrenzen, tun das auch Teile der jungen Muslime in Deutschland. Sie im speziellen fühlen sich besonders aufgrund der Berichterstattung über sie ausgegrenzt.

„Die Rolle der Medien wird kritisch wahrgenommen, da davon ausgegangen wird, dass sie ein negatives Bild der Muslime bei Nichtmuslimen fördern. Schlussendlich wird durch die deutsche Gesellschaft ein Assimilierungsdruck wahrgenommen sowie eine mangelnde Akzeptanz des islamischen Glaubens“, fassen die Forscher die Schilderungen der Befragten zusammen. Es sei häufig die Sorge geäußert worden, „die eigene muslimische beziehungsweise Herkunftsidentität nicht wahren zu drüfen“. Man kann sich vorstellen, dass jeder Jugendliche, ganz abgesehen von seiner Herkunft und seinem Glauben, mit diesem Gefühl der Ablehnung mit eigener Abgrenzung kontern wird.

Doch auch hier gilt, es reagieren nicht alle Muslime auf diese Weise. Die meisten sehen sich als Teil der Gesellschaft. Es gibt eben nicht DIE Muslime und auch die Forscher betonen: „Es gibt nicht eine muslimische Lebenswelt in Deutschland, sondern zahlreiche ambivalente“.

Das Maß an Religiosität steht zudem ebenfalls nicht in Zusammenhang mit Radikalisierung. „Unabhängig davon, wie stark eine Person an den Islam gebunden ist, werden Aktionen islamistisch-extremistischer Terroristen entschieden abgelehnt“, heißt es weiter.

„Bezüglich ihres Lebens als Muslime in Deutschland zeigen die Erzählungen der Teilnehmer, dass sie sich in Deutschland wohl fühlen und eine positive Bindung zu Deutschland aufgebaut haben“, lautet ein zentraler Befund der Mehrgenerationenbefragung. Islamistische Terroristen werden von fast allen Befragten „verurteilt“ und Terror sehen sie als „unvernünftig und dumm“.

Hier gehts zur Studie

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