Dortmunder Burkini-Verbot: Muslimische Badebekleidung unerwünscht

Burkinis sind unhygienisch und gefährlich, glauben die Beitreiber Dortmunder Bäder. Dabei soll der Burkini, ein Ganzkörperbadeanzug, auch muslimischen Frauen das Schwimmen ermöglichen. Viele Lehrer hatten sich über die Einführung von Burkinis gefreut.

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Die Dortmunder Sportwelt gGmbH akzeptiert in ihren Bädern keine muslimische Badebekleidung. In den jeweils fünf Hallen- und Freibädern wolle man niemanden diskriminieren, erklärt die Geschäftsführerin Claudia Heckmann den Ruhr Nachrichten. Zwei Gründe hat die Bädergesellschaft dafür. Zum einem können man „nicht kontrollieren, was unter den Anzügen getragen wird“, so Heckmann. Der Verdacht: die Frauen könnten unter den Anzügen „normale Unterhosen“ tragen.

„Das ist nichts als Spekulation“, argumentiert Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin Lamya Kaddor. Da es sich hier nicht um städtische Bäder handelt, können diese das natürlich selbst bestimmen. Genauso will die Sportwelt nämlich auch keine Badeshorts an Männern sehen. Kaddor findet, „muslimische Frauen sollten die Freiheit haben, schwimmen zu gehen, wie sie es wollen“. Und das ermögliche in einigen Fällen eben der Ganzkörperbadeanzug. Das Wort „Burkini“ vermeidet sie. „Das Wort ist eine Katastrophe“, sagt sie. Die städtischen Bäder in Dortmund und in vielen anderen orten Deutschlands lassen die muslimische Badebekleidung als Ausnahme zu (in der Türkei wird die verhüllte muslimische Frau immer modischer – mehr hier).

Burkini ist eine Wortschöpfung aus „Burka“ und dem „Bikini“. Die Burka ist ein afghanisches Kleidungsstück, dass den gesamten Körper verschleiert und nur ein Stoffnetz vor den Augen ermöglich die Sicht nach außen. „Mit der Burka verbinden wir alle die Unterwerfung der Frau. Schon das Wort schürt Ressentiments gegen Muslime“, sagt Kaddor (die Burka ist in einigen europäischen Ländern verboten – mehr hier).

Die Bekleidung sei zudem nicht nur unhygienisch, sondern auch noch gefährlich, so die Ansicht der Sportwelt. „An der Kleidung können andere Schwimmer hängen bleiben“ und sie „saugt sich voll und ist damit deutlich schwerer“, argumentiert Heckmann. Dabei bestehen Burkinis, genau wie herkömmliche Schwimmbekleidung aus leichtem Elastan.

„Die Begründung Hygiene und Gefahren des Hängenbleibens anderer Schwimmer finde ich grotesk“, sagt auch Markus Thoms. Er unterrichtet Mathe, Physik und Technik an einer Dortmunder Gesamtschule. Obwohl er nicht Schwimmen unterrichtet, findet er, die Haltung der Bädergesellschaft sei ein „falsches Signal“. Er freue sich als Lehrer über jede Muslima, die mit Burkini schwimmen gehe und „nicht vom Schwimmunterricht und vom gemeinsamen Schwimmen in der Freizeit ausgeschlossen ist“.

Auch für Kaddor überwiegt hier der Bildungsauftrag. Sie betrachtet das ganze Thema nüchtern. „Die Zahlen sprechen doch für sich. Die meisten muslimischen Frauen in Deutschland tragen kein Kopftuch. Von denen, die Kopftuch tragen, gehen auch nicht alle unbedingt schwimmen. Letztendlich handelt es sich also um eine ziemlich kleine Zahl von Frauen“, so Kaddor.

Sie versteht die gesamte Diskussion nicht: „Was soll das ganze? Liegt es vielleicht vor allem daran, dass die Bekleidung nicht in das gewohnte Erscheinungsbild der Mehrheitsgesellschaft passt?“

Mit einem Burkini, einem Ganzkörperbadeanzug, wird vor allem die Arbeit der Lehrer erleichtert. Muslimische Mädchen, die sonst nicht am Schwimmunterricht teilnehmen wollen, können so ungehindert mit ihrer Klasse schwimmen lernen.

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