Illegale EU-Einwanderung aus Türkei: Jährlich 55.000 Evros-Durchquerungen

Die Türkei als Tor zur EU: Die meisten illegalen Einwanderer von Asien in die EU durchqueren den Evros, einen Fluß entlang der türkisch-griechischen Grenze. Die Türkei stelle sich zwar nicht mehr „blind“, akzeptiere aber nicht, ein Auffangbecken für illegale EU-Einwanderer zu sein.

Über den Evros, ein Fluß entlang der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland, kommen die meisten illegalen Einwanderer von Asien in die EU. 2009 verzeichnete die lokale Polizei noch 8.800 Einwanderer in der Flußgegend, 2010 schon 47.000 und 2011 mittlerweile über 55.000, schreibt der Economist. Die illegalen Einwanderer kommen hauptsächlich aus Pakistan, Afghanistan, Bangladesch, Algerien und dem Kongo.

Die Grenze ist ungefähr 206 Kilometer lang, wobei bis auf 12,5 Kilometer die gesamte Länge entlang des Evros verläuft. Auf dem 12,5 Kilometer-Landabschnitt haben 2010 26.000 illegale Einwanderer die Grenze überquert, 2011 aber nur mehr 900. Der Grund sei die Unterstützung von Frontex, der EU-Grenzschutzeinheit, sagt Giorgios Salamangas, der lokale Polizeichef auf griechischem Boden. Die Einheit ist mit den neuesten Technologien ausgestattet und unterstützt die griechischen Behörden dabei, schon auf türkischem Boden illegale Einwanderer zu entdecken. Zusätzlich baut Griechenland seit Januar 2012 einen Grenzzaun zur Türkei (mehr hier).

Die griechische Polizei informiert regelmäßig die Türkei. Doch in der Türkei ist für die Grenzsicherung die Armee, und nicht die Polizei, zuständig. Und die türkischen Behörden kommen oft zu spät. Aber die bisherige Vorgehensweise der türkischen Behörden, „so zu tun als ob sie die illegalen Einwanderer gar nicht sehen könnten“, habe sich geändert, sagt Salamangas (von dem Grenzzaun hält man trotzdem nicht viel – mehr hier).

Die Türkei hat auch selbst mit vielen illegalen Einwanderern aus Afghanistan, Iran, Pakistan und Syrien zu kämpfen – und möchte diese auch irgendwie loswerden. Die Türkei sehe die illegalen Einwanderer auch als ein Hebel in den EU-Beitrittsgesprächen. Das Land sehe jedenfalls nicht ein, warum es für die EU ein Auffangbecken illegaler Einwanderer sein sollte, sagt Murat Celikkan, ein Menschenrechtsaktivist in Istanbul.

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