Türkei: Lehrbücher sind noch immer frauenfeindlich

Frauen als Hausfrau und Mutter - das ist das Bild, welches die meisten Schullehrbücher vermitteln. Doch die Realität in der Türkei hat sich geändert. Aber nur wenige Unterrichtsmaterialien tragen den neuen Umständen Rechnung.

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Die meisten türkischen Schullehrbücher schreiben der Frau noch immer verstärkt die Rolle der Hausfrau und Mutter zu. Das ist das Ergebnis einer Studie des Studienbereichs Soziologie der Bilgi Universität in Istanbul. Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler 14 Lehrbücher und kamen zu dem Ergebnis, dass sich zwar in manchen Lehrbüchern die Inhalte der gesellschaftlichen Realität angepasst haben, dass aber immer noch in einem Großteil der Bücher die Frau auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter reduziert wird. (Kürzlich empörten sich Frauen über die Veränderung des Gewalt-Gesetzentwurfes, mehr hier)

In dem Projekt zur Untersuchung der Lehrbücher wurden die Materialien der ersten bis achten Klasse der Sozialwissenschaften genauer untersucht. Das Ergebnis: die Mehrheit der Lehrbücher ist sexistisch.

In den Büchern üben die Frauen, wenn überhaupt, nur sehr beschränkt Berufe aus wie Krankenschwester, Lehrerin oder Friseurin. Berufe wie Bäcker, Architekt, Schuster, Chauffeur oder Arzt hingegen werden nur von Männern ausgeübt.

Nur vereinzelt positive Beispiele in den Schulbüchern

Statt des Wortes „Frau“ wird häufig noch der als despektierlich empfundene Ausdruck „Dame“ verwendet. Der Vater wird immer noch als der Hauptverdiener dargestellt, der dann das Taschengeld verteilt.

Allerdings stießen die Forscher bei ihrer Recherche auch auf positive Beispiele. So wird in einem Buch die Mutter als eine erfolgreiche Ärztin dargestellt. In einem anderen Buch, das erfolgreiche Personen vorstellt, finden auch die türkische Bildhauerin Sabiha Bengütaş, Prof. Dr. Sebahat Demir, die 2002 in den USA zur Wissenschaftlerin des Jahres gewählt wurde, sowie wie Theaterschauspielerin Afife Jale Erwähnung. Außerdem zeigt das Buch wie sich die Familie die Hausarbeit teilt, indem der Vater bügelt, die Mutter putzt, der Sohn Staub wischt und das Mädchen die Blumen gießt. Frauen arbeiten hier als Ärztin, bei der Feuerwehr oder als Chauffeurin. Auch übernimmt der Vater Aufgaben bei der Versorgung der Kinder wie Haare föhnen oder gibt dem Baby die Flasche.

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