Hassreden und Diskriminierung im TV: Keine Toleranz bei türkischem Publikum

In einem Bericht der türkischen Radio- und Fernsehanstalt wird deutlich, dass sich die Türken 2011 besonders über diskriminierende Inhalte und hetzerische Reden beschwerten.

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Nach Angaben von RTÜK, der türkischen Radio- und Fernsehanstalt, bezogen sich 2011 19 Prozent der Beschwerden türkischer Bürger auf Moderatoren oder Teilnehmer von TV-Shows, die beschuldigt werden, auf Grund von Religion, Ethnie oder Sprache diskriminiert zu haben (Die Behörde verfolgt die türkischen Sendungen ganz genau und rügt im Zweifelsfall – mehr hier). 13 Prozent der Beschwerden richteten sich an ganze Sendungen, die Gruppen diskriminiert haben sollen, während sich elf Prozent der Beschwerden auf die Absetzung von TV-Shows bezogen.

Die Moderatorin Müge Anlı hat im vergangenen Jahr die meisten Beschwerden erhalten. Ihr diskriminierendes Statement im türkischen Fernsehen nach dem verheerenden Erdbeben in Van ist vielen noch im Gedächtnis. Im Osten der Türkei und damit auch in Van befinden sich die meisten PKK-Anhänger. Dass die PKK keinesfalls Kurden insgesamt repräsentiert, dürfte allgemein bekannt sein.

Die meisten Beschwerden wegen Moderatorin Müge Anlı

Bei Anlı hörte sich das im Oktober jedoch ganz anders an: „Die Polizei, die bei jeder Gelegenheit von kleinen Kindern mit Steinen beworfen wird, war sofort vor Ort und hat Hilfe geleistet. Wenn wir Lust dazu haben, werfen wir auf Sicherheitskräfte mit Steinen, als ob wir Vögel fangen wollen, oder wir erschießen sie in den Bergen. Und wenn dann auf einmal was passiert, wollen wir, dass das Militär, die Polizei zur Hilfe eilt. So einfach ist das nicht. Jeder sollte wissen, wann es reicht“, hatte sie auf „ATV“ erklärt (Moderatorin Duygu Canbaş sagte etwas ähnliches – mehr hier).

Die Äußerung löste in der gesamten Türkei eine Welle der Empörung aus und zurecht beschwerten sich viele Menschen bei RTÜK. Gegen sie wurde wegen öffentlicher Hetze ermittelt. Im Januar erklärte die Polizei allerdings sie könne auf legalem Weg nicht belangt werden. Dazu sei die Gesetzeslage zu unklar.

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