Türkei: Libysche Verletzte wollen Krankenhäuser nicht verlassen

Während der Unruhen in Libyen wurden Verwundete in die Türkei gebracht und versorgt. Bis heute lassen sich Libyer gern in der Türkei behandeln. Es soll sogar zu Einbrüchen im libyschen Konsulat kommen, bei denen Zertifikate zu weiteren Behandlungen gestohlen werden. Die Kosten und die Behandlungsdauer machen türkischen und libyschen Behörden zu schaffen.

Nach Angaben der libyschen Botschaft wurden in Krankenhäusern der Türkei rund 8.000 Libyer behandelt. Je höher die Zahl wird, desto mehr stellt sich die Frage, wie die Behandlungen weiterhin bezahlt werden sollen und wie lange die Patienten noch in der Türkei bleiben sollen. Die Meinungen der Ärzte und der Libyer gehen hier nämlich oft auseinander. Eine Gesundheitskommission der libyschen Botschaft in der Türkei verhandele nun mit türkischen Offiziellen über die hohen Preise und weitere Gesundheitsfragen, berichtet die Hürriyet.

Die ersten Verwundeten nahm die Türkei Ende August auf. Die Libyer wurden bei Gefechten mit Anhängern des Gaddafi-Regimes verletzt (eine Gruppe von 40 bis 50 Personen wurde aufgenommen – mehr hier). Damals kümmerten sich staatliche Krankenhäuser in der Türkei um die Behandlung. Bis heute sind die türkischen Krankenhäuser beliebt bei Libyern. Immer noch handelt es sich bei den meisten von ihnen um ehemlige Soldaten oder Opfer der Gefechte. Die Türkei unterstützt den libyschen Übergangsrat sowohl finanziell als auch anderweitig (zum Beispiel bildet die Türkei die libysche Armee aus – mehr hier).

Mittlerweile werden die Libyer auch in privaten Krankenhäusern behandelt (Türken bevorzugen ebenfalls private Krankenhäuser – mehr hier). Hier sprengen die Kosten allerdings die Möglichkeiten. Nach Angaben der türkischen Katastrophenschutzbehörde (AFAD) hat die Türkei die Kosten für die Behandlung und Unterbringung von 575 Libyer und 274 Begleiter übernommen. Andere Kosten wurden wiederum von Libyen selbst gedeckt, doch die hohen Preise der Behandlungen führen zu Unstimmigkeiten.

Gülhan Karaca, Sprecherin der privaten Universal Krankenhausgruppe, erklärte, den Patienten werde nicht nur medizinische Hilfe geleistet, sondern sie würden auch psychologische Unterstützung erhalten, da sie häufig traumatisiert sind. Immer wieder gäbe es Probleme mit Patienten, die nach Beendigung der Behandlung nicht nach Libyen zurückkehren wollen, erzählt Karaca. „Sie wollen weiterhin umsonst im Krankenhaus bleiben und zwingen Vertreter des libyschen Konsulats ihnen ihre Dokumente zu unterschreiben, mit denen weitere Behandlungen bestätigt werden“, so Karaca weiter. Sie erklärt, dass einige der Libyer sogar im Konsulat einbrechen, um die Zertifikate wiederholt zu erhalten.

Die einzige Lösung wird langfristig der Aufbau geeigneter Krankenhäuser in Libyen sein. Bis dahin müssen die Nachbarländer allerdings unterstützend mitwirken.

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