Türkische Republik Zypern: Egemen Bağış`s Angliederungs-Vorschlag bringt Medien auf die Barrikaden

Der Vorschlag des türkischen EU-Ministers Egemen Bağış, die Türkische Republik Zypern an die Türkei anzugliedern, stößt auf der Insel auf harte Kritik. Die Türkei dürfe nicht vergessen, dass sie es hier nicht mit einer Kolonie zu tun habe, so der Kolumnist Cüneyt Özdemir. Die türkischen Zyprioten wollten eine ehrenvolle Lösung des Konflikts.

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Die türkische Republik Zypern ist keine Kolonie der Türkei, das ist die Botschaft, die derzeit türkisch-zypriotische Zeitungen in Richtung des EU-Ministers Egemen Bağış schicken. Dieser hatte unlängst erklärt, um das Zypern-Problem zu lösen gäbe es die Option, Nordzypern an die Türkei anzugliedern. Alternativ sah er noch die Vereinigung beider Seiten und die Entstehung zweier unabhängiger Staaten (Zwar sei eine Verhandlung das oberste Ziel, aber die Alternativen müsse man sich vor Augen halten, mehr hier). Der Nordteil der Insel fühlt sich unter zeitlichen Druck gesetzt und möchte bis zur Amtsübernahme der EU-Ratspräsidentschaft am 1. Juli zu einer Lösung gelangen (mehr hier).

„EU-Minister hat keine Ahnung von den Befindlichkeiten der türkischen Zyprioten“

„So viel Zeit ist vergangen und wir sind wieder dort, wo der verstorbene ehemalige Präsident der Insel, Rauf Denktaş aufgehört hat“, schreibt der Kolumnist Cüneyt Özdemir in der Tageszeitung Radikal (Denktaş war vor ein paar Monaten im Alter von 88 Jahren gestorben – mehr hier). Aus den von Bağış unterbreiteten Vorschlägen gehe vor allem eins hervor, so Özdemir: Dass der EU-Minister keine Ahnung von den Befindlichkeiten der türkischen Zyprioten habe. Dementsprechend heftig fielen dann auch die Reaktionen auf seinen Vorschlag aus: Während die Tageszeitung Vatan „Reaktionen der Türkischen Republik Zypern auf Egemen Bağış“ titelte, schrieb die Zeitung Habertürk: „Die Türkische Republik Zypern beschimpft die Türkei“. Die Cumhuriyet hingegen titelte „Wir waren völlig verdutzt“.

Doch auch Politiker reagieren verärgert. Einige der Meinungen stellt die Kolumnistin Didem Menteş von der Zeitung Yeni Düzen zusammen: So sagt İzzet İzcan von der Birleşik Kıbrıs Partisi (BKP): „Es bedroht die Zyprioten und die ganze Welt“. Tahsin Ertuğruloğlu von der Demokrasi ve Güven Partisi (DGP) hingegen sagte: „Es ist unser Wunsch, dass die Türkische Republik Zypern unabhängig wird“.

Bağışs selbst bewertet jede Kritik an seinem Vorschlag als Zeichen der Sympathie mit Griechenland.

„So wie die AKP im Bezug auf die Verfassung und das Kurden-Problem den Status Quo beibehalten möchte, so handelt sie auch in der Zypern-Frage entsprechend der nationalistischen Gewohnheiten, Ängste und Etikettierungen“, so Özdemir. Er betont, dass das türkische Zypern keine Kolonie der Türkei ist, oder zumindest, sich die türkischen Zyprioten nicht als solche begreifen. Diese Haltung könnte später dazu führen, dass sie separatistische Gruppierungen gründen könnten. Ebenso wie die Kurden seien die türkischen Zyprioten an einer ehrenvollen Lösung des Konflikts interessiert, bei der ihre Identität gewahrt und respektiert wird.

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