Deutschland: Erleichterung bei der Anerkennung ausländischer Qualifikationen

In Deutschland gibt es – auch bedingt durch den demographischen Wandel – ein Mangel an qualifizierten Fachkräften. Mit dem „Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“ will Deutschland seine Attraktivität steigern.

Ab dem 1. April soll es leichter werden, im Ausland erworbene Berufsqualifikationen in Deutschland anerkennen zu lassen, (das Gesetz hatte lange auf sich warten lassen, mehr hier). Mit dem entsprechenden „Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“ will das Bundeministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Bewertungsverfahren und Bewertungsmaßstäbe einführen, so dass im Ausland erworbene Abschlüsse und Qualifikationen schneller und leichter anerkannt werden.

Alle haben Rechtsanspruch auf Bewertungsverfahren

Mit dem sogenannten Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz haben Unionsbürger sowie Drittstaatenangehörige in Zukunft einen Rechtsanspruch auf ein Bewertungsverfahren. Bislang hatten nur Spätaussiedler Anspruch auf eine individuelle Gleichwertigkeitsprüfung. Mit Eintreten des neuen Gesetzes sollen zuständige Stellen die Gleichwertigkeit der im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen prüfen, um das hohe Niveau der deutschen Abschlüsse zu gewährleisten. Eine Entscheidung soll innerhalb von drei Monaten getroffen werden. Für die Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) ist das neue Gesetz ein „großer Fortschritt“.

Bislang konnten berufliche Qualifikationen, die Deutsche als auch nach Deutschland Zugewanderte, im Ausland erworben hatten, in Deutschland nicht verwertet werden. Bewertungsverfahren und Bewertungsmaßstäbe fehlten. Die Berufsausübung bei einer Reihe von Berufen in Deutschland sowie der Zugang zu den entsprechenden Anerkennungsverfahren waren an die deutsche Staatsangehörigkeit oder die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedsstaates geknüpft. Künftig hingegen sollen Inhalt und Qualität der Berufsqualifikation ausschlaggebend sein – nicht die Staatsangehörigkeit oder die Herkunft.

Schavan: „Wichtiges Signal im Hinblick auf Integration“

Bislang konnte zum Beispiel ein Arzt mit türkischem Pass, der in Deutschland studiert hatte, keine Approbation erhalten, auch wenn er die fachlichen Voraussetzungen mitbrachten. Die Bundesministerin nennt das Gesetz ein „wichtiges Signal im Hinblick auf Integration“. Ziel ist, Deutschland attraktiver für qualifizierte Zuwanderung zu machen.

Besonders ist Medizin- und Erziehungsberufen sowie im Pflegebereich und den sogenannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) gibt es in Deutschland – auch bedingt durch den demographischen Wandel – einen Mangel an qualifizierten Fachkräften.

Zur konkreten Umsetzung sagt die Ministerin für Bildung: „Wir wollen eine zentrale Hotline schalten. Wer also seinen Abschluss anerkennen lassen möchte, hat eine Nummer, an die er sich wenden kann. Darunter sind alle Informationen vorhanden über die konkrete Stelle der Anerkennung.“ Zurückgreifen möchte man dabei auf bestehende Strukturen für die Anerkennungsverfahren von Unionsbürgern und Spätaussiedler.

Wie das BMBF informiert, geht aus einer Sonderauswertung des Mikrozensus 2008 hervor, dass rund 2,9 Millionen Menschen in Deutschland mit Migrationshintergrund leben, die ihren höchsten beruflichen Abschluss im Ausland erworben haben. Schätzungen zufolge streben 300.000 Personen an, aufgrund einer gesetzlichen Neuregelung ihre Qualifikationen anerkennen zu lassen. Man geht davon aus, dass besonders diejenigen an der Anerkennung ihrer Qualifikationen interessiert sind, die arbeitslos oder unter ihrer Qualifikation beschäftigt sind.

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