„Der Westen treibt die syrische Bevölkerung in die Hände der Radikalen“

In Syrien droht die Tatenlosigkeit des Westens zur Radikalisierung der Bevölkerung zu führen. Al-Kaida versucht sich als Retter zu profilieren, während der Rest der Welt weiter zögert, erklärt der Fotograf Timo Vogt. Die Bevölkerung wisse zwar, dass sich die Türkei auf ihre Seite stelle, doch mit den wenigen Waffen, die sie haben, können sie sich nicht selbst schützen.

Über Schmugglerpfade kam der Fotograf Timo Vogt Mitte Februar über die Türkei nach Syrien in die Provinz Idlib. Schon vor dem Konflikt sind die Pfade bekannt gewesen. In diesen Tagen wird die Grenze sogar mehr überwacht als vorher, doch viel geändert hat sich dadurch nicht, denn die Grenzpolizei toleriert viel in Anbetracht der politischen Situation. „Da ist eine Grenzlinie, eine Rolle Stacheldraht und ein paar Wachtürme. Man kommt an vielen Stellen rein oder auch raus. Die Grenze ist – man könnte schon sagen – komplett offen“, erzählt der 32-Jährige im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten. Man achte zwar darauf, die Toleranz der türkischen Grenzpolizei nicht zu strapazieren, doch er habe den Eindruck, dass sich die Polizei bewusst zurückhalte und damit die Linie Ankaras verfolge.

Die Türkei ist neben den anderen Nachbarländern Syriens Quelle für die wenigen Waffen der FSA. Die Waffenpreise sind immens gestiegen und nicht mehr, wie zu Beginn der Aufstände im vergangenen Frühjahr, über die syrischen Schwarzmärkte zu bekommen. „Die Leute erzählten mir, dass sie vor den Aufständen beispielsweise eine Kalaschnikow aus dem Irak für 200 Dollar erhalten konnten, während man jetzt schon 1500 Dollar zahle“, so Vogt.

Die Gruppe, mit der Vogt nach Idlib kam, besorgte sich ebenfalls zuvor in der Türkei Waffen. „Wir hatten eine Kiste Munition und einen Sack türkischer Jagdflinten dabei“, und als er das erzählt, lacht Vogt. Denn mit diesen Jagdflinten wird sonst auf Vögel geschossen, leichte Waffen, die eigentlich nichts gegen Assads Truppen ausrichten können. Die Menschen würden sich selbst Munition zusammenbasteln, um stärkere Geschosse zu haben, doch es bleibe letztendlich ein ungleicher Kampf, ein Kampf zwischen „David und Goliath“.

Mehr Bilder von Timo Vogt gibt es hier.

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