Vergewaltigungsopfer: Türkische TV-Serie als Therapie

Vergewaltigungsopfer sind traumatisiert, leiden unter dem Erlebten ein Leben lang. Die in Florida lebende türkische Hausärztin Hatice Yalçın geht derzeit einen ungewöhnlichen Weg, um ihren Patienten aus der Krise zu helfen. Sie lässt sie die türkische TV-Serie "Fatmagül’ün Suçu Ne?" ansehen.

Das Vorhaben der türkischen Medizinerin klingt ungewöhnlich, für den ein oder anderen villeicht sogar bizarr. Dabei ist das Ziel von  Hatice Yalçın eigentlich ein ganz einfaches: Sie möchte die jungen Frauen, die zu ihr kommen und meist zwischen 19 und 32 Jahre alt sind, davor bewahren nach einer Vergewaltigung Hass auf alle Männer zu entwickeln. In ihren Köpfen solle sich vielmehr die Idee entwickeln, dass es auch in der Realität ähnliche Herren wie etwa den Seriencharakter “Kerim” gibt.

Serienfigur von Engin Akyürek als idealer Mann

Kerim, der von Engin Akyürek gespielt wird, ist der männliche Hauptdarsteller in der türkischen TV-Serie „Fatmagül’ün Suçu Ne?“ (das waren die beliebtesten türkischen Serien 2011 – mehr hier, „Muhteşem Yüzyıl“ war sogar Nummer eins bei Google – mehr hier). Er ist der Ehemann der weiblichen Hauptfigur Fatmagül, dargestellt von Beren Saat. In der Serie wurde die Frau ebenfalls Opfer einer Vergewaltigungsgang. Ihr Mann Kerim beschützt sie nun.

Als die Serie erstmals ausgestrahlt wurde, sorgte das durchaus für kontroverse Reaktionen unter den Zuschauern. Einige waren der Auffassung, dass hier die „Ehe mit einem Vergewaltiger legitimiert“ werde, da Kerim mit den drei Tätern unterwegs war und Fatmagül nicht vor ihrem Schicksal bewahrt hätte (nicht nur Vergewaltigung, auch Zwangsheirat wird in türkischen Serien thematisiert – mehr hier).

Seit eineinhalb Jahren “Fatmagül” als Therapie

Doch wie wirkt sich der Stoff nun auf die realen Oper aus? Laut Yalçın fühlten sich ihre Patientinnen tatsächlich besser, wenn sie Kerim sehen würden. Die türkische Ärztin arbeitet in den USA in einer von Freiwilligen aufgebauten Klinik, die sich hauptsächlich um Vergewaltigungsopfer kümmern. Sie selbst begann sich für dieses Thema zu engagieren, nachdem die Tochter ihrer besten Freundin nach einer Vergewaltigung Selbstmord begangen hatte. Seit neun Jahren arbeitet sie nun schon in der Klinik. Seit gut eineinhalb Jahren setzt sie “Fatmagül” zu Therapiezwecken ein (in der Türkei können Serien auch über die Sozialen Medien wie Twitter verfolgt werden – mehr hier).

Unter jungen Vergewaltigungsopfern ist der Charakter „Kerim“ mittlerweile zu einem echten Phänomen geworden. Mit Hilfe der Übersetzung der Ärztin sehen sie alle Dialoge zwischen Kerim und Fatmagül an. Der Schauspieler Akyürek sei in der Klinik zu einem echten Erfolgsrezept geworden, freut sich die Medizinerin. Gerne würde sie ihn einmal in ihre Einrichtung einladen. Denn: Die Vergewaltigungsopfer beschreiben Kerim als idealen Mann, den es allerdings nicht im wirklichen Leben gibt (auch auf den Tourismus haben türkische Serien großen Einfluss – mehr hier).

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