„All American Muslim“: US-Reality Show wird schon nach einer Staffel eingestellt

In Deutschland wurde die Serie „All American Muslim“ des “The Learning Channel” (TLC) vor allem durch den Werberückzug des US-Einzelhandelsriesen Lowe's bekannt. Doch das aufkeimende Interesse am Leben amerikanischer Muslime wird jetzt im Keim erstickt. Das Aus kommt bereits nach der ersten Staffel.

Wie TLC nun im Rahmen der Vorstellung seines April-Programms gegenüber seinen Werbepartnern bekannt gegeben hat, werde die kontrovers diskutierte Reality-Show „All American Muslim“, die sich rund um fünf arabisch-amerikanische Familien dreht, nicht auf der „Fortsetzungs“-Liste stehen (offenbar auf Druck der konservativen Florida Family Association hatte Lowe’s sich zurückgezogen – mehr hier).

Erst im Juli 2011 hatte der Sender erklärt, eine Serie an den Start zu bringen, die einen anteilnehmenden Blick darauf wirft, was es bedeuten würde Muslim in Amerika zu sein. Doch nun haben die im Zuge dessen begleiteten Familien, die in Dearborn, Michigan, leben, übrigens eine mittelgroße Industriestadt mit der größten Moschee in den gesamten USA, schneller wieder Ruhe als gedacht. Denn wie einige von ihnen gegenüber der“Detroit Free Press“ erklärten, seien sie darüber informiert worden, dass es keine zweite Staffel der Sendung geben werde.

„All American Muslim“ war US-Publikum zu langweilig

„Mit Hilfe dieser Familien und ihrer vielfältigen Erfahrungen, werden wir erfahren wie sie ihre Werte und Traditionen mit dem täglichen Leben in Amerika vereinbaren. Mit Sorgfalt und Mitgefühl werden so Einblicke in ihre Kultur gewahr“, bewirbt TLC General Manager Amy Winter die ambitionierte Show noch im Sommer vergangenen Jahres. Doch genau das hat sich nun als Problem herausgestellt. In der vielversprechenden Produktion von Shed Media, so fasst derzeit die „Washington Post“ zusammen, zeigten die begleiteten Menschen einen schockierenden Hang ihre aufsässigen Kinder eben nicht anzuschreien, sich in Bars zu schlägern, literweise Remouladensoße in sich hinein zu schütten, der besten Freundin den Freund auszuspannen oder eines der vielen anderen Verhaltensweisen an den Tag zu legen die eine erfolgreiche Reality-Soap in den USA sonst ausmachen würden.

Rückzug von Lowe’s brachte gewünschte Aufmerksamkeit

Kurz flackerte ein „Hoffnungsschimmer“ in Sachen Aufmerksamkeit auf, als sich die konservative Florida Family Association einmischte und die Sendung als klevere Propaganda bezeichnete, die die eigentliche islamische Agenda geschickt zu verbergen wisse, die aber tatsächlich eine Bedrohung der amerikanischen Freiheiten und traditionellen Werte darstellen würde. US-Einzelhandelsrise Lowe’s beugte sich der Email-Flut und zog sich als Werbepartner zurück. Die Folge: Quasi über Nacht wurde „All American Muslim“ zum Liebling der Medien und Stars. Sie twitterten und solidarisierten sich, wollten sogar selbst als Werbepartner einspringen. Alles schien gut zu laufen und sogar noch besser als das Online-Reiseunternehmen Kayak.com verlauten ließ, keine weiteren Werbeanteile in der Show zu kaufen. Da sich TLC nicht weiter vorzugsweise „mit der bereits existierenden Kontroverse über Rassen, Religion und insbesondere die Kluft zwischen den muslimischen und christlichen Gemeinschaften in Dearborn“ befassen sollte.

Doch all der Wirbel um „All American Muslim“ half nicht. Die gewünschten Zuschauerquoten blieben aus. Weniger als eine Million Menschen schalteten pro Folge ein. Das Finale der ersten Staffel verfolgten nur 700.000 am Bildschirm. Für einen Sender, der sonst um die zwei Millionen bei solchen Reality-Shows wie etwa dem umstrittenen Format „Toddlers & Tiaras“ (ein fünfjähriges Mädchen aus der Show absolvierte kürzlich einen bizarren Auftritt in einem New Yorker Nachtclub – mehr hier) oder Polygamisten-Sendung „Sister Wives“ anzieht, ein herber Einschnitt.

Ganz vergebens war die Ausstrahlung der Sendung allerdings nicht. Der Sender „Bravo“ hat aus den Fehlern von TLC gelernt. Bereits am kommenden Sonntag startet dort „Shahs of Sunset“ aus der Ideenschmiede von Ryan Seacrest, Lieblingsproduzent der Kardashians.

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