Weltfrauentag: Mehr Frauen in Führungspositionen in der Türkei als in Deutschland

Der internationale Frauentag soll für die Türkei in diesem Jahr mit der Verabschiedung eines ganzen Gesetzespakets zur häuslichen Gewalt begangen werden. Während in Deutschland über eine Frauenquote und die Angleichung der Gehälter diskutiert wird, ist es auch in der Türkei noch ein langer Weg zur Gleichberechtigung.

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Der diesjährige Frauentag ist für die Türkei ein ganz besonderes Datum, denn einen Tag vorher, am Mittwoch, begann das Parlament das Gesetzespaket zur häuslichen Gewalt zu besprechen. Noch am Donnerstag, am Weltfrauentag, soll das Gesetzespaket verabschiedet werden. Nicht nur häusliche Gewalt auch berufliche Ungerechtigkeiten führen wie in Deutschland zu Diskussionen über Gleichberechtigung. Im Parlament sind Frauen in der Türkei stark unterrepräsentiert. In den Führungsposition liegt die Türkei im OECD-Vergleich allerdings sogar noch vor Deutschland.

7,4 Prozent der türkischen Vorstandsmitglieder weiblich

„Seit fünf Jahren ist die Situation dieselbe. Wir sind beunruhigt“, sagt Çiğdem Aydın, Sprecherin des Verbands für Unterstützung von weiblichen Kandidaten für das Parlament (KA.DER). Mit einer türkeiweiten Kampagne versuchten sie vor den Wahlen im Juni vergangenen Jahres zu erreichen, dass 50 Prozent der Abgeordneten Frauen sein sollten. Jedoch hat das türkische Parlament derzeit lediglich einen Frauenanteil von 14,2 Prozent. Seit 2007 ist der Frauenanteil damit nur um etwa neun Prozent gestiegen. In Deutschland beträgt der Frauenanteil im Parlament 32,9 Prozent. In den führenden Position sieht das allerdings ganz anders aus. Nur 3,5 Pozent der Vorstandsmitglieder in Deutschland sind weiblich, während das in der Türkei 7,4 sind. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 9,8 Prozent.

Das Gesetz zum Schutz der Frauen soll zunächst vor häuslicher Gewalt schützen (auch türkische Lehrbücher sind häufig noch frauenfeindlich – mehr hier). Den Betroffenen soll eine Unterkunft zur Verfügung gestellt werden und sie sollen materielle sowie psychologische Unterstützung erhalten. Frauenrechtsgruppen, die den Gesetzesentwurf mit der einzigen türkischen Ministerin, Fatma Şahin, gemeinsam ausarbeiteten, übten schon im Vorfeld harte Kritik. Der dem Parlament vorgelegte Entwurf sei nämlich nicht der ausgearbeitete. Hierbei werde vielmehr die Familie und nicht die Frau geschützt (das führte in der vergangenen Woche zu Protesten – mehr hier).

Mit dem Gesetz handelt die Türkei nach den Vorgaben der Konvention des Europarats, durch die Frauen besser vor Gewalt geschützt werden sollten. Die Türkei war das erste Land, dass die Konvention im Mai 2011 unterschrieben hat.

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