Natürlich schön: 31 Prozent der türkischen Frauen haben sich noch nie geschminkt

Eine Studie beleuchtet die Situation der Frauen in der Türkei. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf Alphabetisierung und Eheschließungen. Das Ergebnis: in der Ägäis-Region sind die Frauen am selbstbestimmtesten, im Südosten jedoch eher traditionell.

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Der Studie zufolge haben 37,5 % der Frauen in der Türkei noch nie in einem Restaurant gegessen, 53 % haben noch nie ihren Geburtstag oder ihren Hochzeitstag gefeiert, 27 % waren noch nie beim Friseur und 46 % haben noch nie Urlaub gemacht.

Für die von der Tagezeitung Milliyet in Auftrag gegebene Studie „Gewalt gegen Frauen“ (pünktlich zum Weltfrauentag hat das türkische Parlament das Gesetz zum Schutz der Frau verabschiedet, mehr hier) hat Adil Gür mit insgesamt über 3.252 Frauen über 18 Jahren aus 42 Provinzen, 126 Bezirken und 195 Stadtvierteln und Dörfern gesprochen.

Analphabeten-Rate

Die Ergebnisse: Insgesamt können im Durchschnitt in der Türkei von 100 Frauen über 18 Jahren zehn nicht lesen und schreiben. 3.6 % können zwar lesen, haben aber keinerlei Schulabschluss, 33.6 % haben zwar einen Grundschulabschloss, 13,6 % haben einen Mittelschulabschluss, 30.4% haben das Äquivalent zum Abitur, 9 % einen Universitätsabschluss.

Bei den Frauen über 44 Jahre sind 20 Prozent Analphabeten.

Auch wurden in der Studie regionale Unterschiede festgemacht. So sind im Südosten 28,8% der Frauen über 18 Jahren Analphabeten, in Ostanatolien 26,6%, am Mittelmeer 15,9 %, am Schwarzen Meer 7,3, in Mittelanatolien 6,6 %, in der Marmara-Region 3,1 und in der Ägäis 3,1 %.

Die meisten Universitäts-Absolventen befinden sich in der Marmara-Region. Die Teilnehmer an der Studie mit einem Universitätsabschluss kamen zu 12,4 % aus der Marmara-Region, zu 9,7 % von der Ägäis, 8,7 Prozent aus Mittelanatolien und 2,7 Prozent aus Südostanatolien.

Insgesamt sind 61,8 % der Frauen Hausfrauen, 10,3 % Studenten und 7,6 % arbeitslos.

Liebesheirat

Mit steigendem Alter nimmt auch die Anzahl der Frauen zu, die auf traditionelle Weise durch Vermittlung heiraten. Während 67,3 Prozent der Frauen unter 28 Jahren angeben, aus Liebe geheiratet zu haben, beträgt dieser Prozentsatz bei Frauen über 44 Jahren knapp 40 Prozent. Bei Frauen mit einem Grundschulabschluss und niedrigerem Ausbildungsniveau beträgt dieser Prozentsatz ebenfalls knapp 40 Prozent, bei Studierenden hingegen liegt er bei über 80%. Bei berufstätigen Frauen liegt der Prozentsatz bei 57,9 %, bei Arbeitslosen bei 43,2%.

Je weiter man sich von Städten entfernt und in Richtung der ländlichen Gebiete geht, nimmt die Anzahl der traditionellen Eheschließungen durch Vermittlung zu. In den Regionen Marmara, Ägäis und Schwarzes Meer liegt die Anzahl der Liebesheiraten weit über dem Landesdurchschnitt. Während in Ost-Anatolien 34,7 % angeben, aus Liebe geheiratet zu haben, sind es im Südosten 26,5 Prozent. 8.8% der Ehen in Anatolien werden bereits in der Wiege beschlossen oder wenden das Prinzip des Frauentauschs zwischen zwei Familien an.

Heirat unter Verwandten

51,8% der verheirateten Frauen gaben an unter 20 Jahren geheiratet zu haben. 7,5 % geben an, dass sie mit Verwandten ersten gerades verheiratet sind, 18,8 % mit einem entfernten Verwandten, 70 % hingegen gaben an, nicht mit einem Verwandten verheiratet zu sein. Die Heirat unter Verwandten nimmt zu, je weiter man sich von den Städten weg hin zu den ländlichen Gebieten bewegt. Die wenigsten dieser Ehen gibt es in der Ägäis, die  meisten im Südosten. 6,2 % der verheirateten Frauen gaben, nicht standesamtlich verheiratet zu sein.

Auch wurden die Frauen gefragt, ob sie sich innerhalb der Familie frei fühlen und ihre Meinung äußern können. 15,2 Prozent aller befragten Frauen gaben an, sich niemals frei gefühlt zu haben, 56,2 % hingegen sagten, sie fühlten sich immer frei.

Deutschland-Vergleich

Im Vergleich dazu können nach Angaben des Bundeministeriums für Bildung und Forschung etwa 2,3 Millionen Menschen in Deutschland zwar einzelne Wörter lesend verstehen oder schreiben, nicht aber ganze Sätze. Damit sind mehr als 4 % der erwerbsfähigen Bevölkerung in Deutschland von Analphabetismus betroffen. Höher als bislang vermutet ist dagegen die Zahl der funktionalen Analphabeten: So können 7,5 Millionen der erwerbsfähigen Deutschen zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, aber keine zusammenhängende kürzere Texte lesen oder schreiben. Bislang war man bei Schätzungen von etwa vier Millionen Menschen aus. Männer sind mit 60 % stärker von Analphabetismus betroffen als Frauen mit knapp 40 %.

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