„Kony 2012“: Ist die ganze Jagd ein Riesenschwindel?

"Kony 2012" ist in dieser Woche in aller Munde. Die Dokumentation der non-profit Organisation "Invisible Children" ist in den letzten Tagen zu einem wahren Klick-Magneten avanciert. Millionen haben den Film auf YouTube oder Vimeo gesehen. Doch ist die Jagd nach dem Massenmörder aus Uganda, Joseph Kony, überhaupt ernst zu nehmen?

Mit der Kampagne „Kony 2012“ will „Invisible Children“ den untergetauchten LRA-Führer im Internet jagen und am Ende hinter schwedische Gardinen bringen. Millionen User kennen seit dieser Woche das Gesicht des „Warlord aus Uganda“. Tausende Kinder soll der Kriegsverbrecher in den letzten Jahren verschleppt haben, um sie dann als Sex-Sklaven oder Kindersoldaten skrupellos auszubeuten.

Fast 60 Millionen Menschen haben sich das gut 30 Minuten dauernde Video mittlerweile angesehen und nicht wenige haben sich auch kritisch mit der Organisation und ihrer Spendenpolitik selbst auseinandergesetzt. Wie „mashable.com“ an diesem Freitag berichtet, hat die Kampagne diverse Organisationen und Medien auf den Plan gerufen, die nun fragen, wie es eigentlich um die Authentizität von „Invisible Children“ bestellt sei. Der Führer der „Lord’s Resistance Army“ bleibt bei dieser Kritik natürlich außen vor.

Wie steht es um die Glaubwürdigkeit von „Invisible Children“?

Über „Visible Children„, ein Tumblr, eingerichtet, um die Rechtmäßigkeit von „Kony 2012“ zu belegen, wurden nun einige Punkte veröffentlicht, die mittlerweile in zahlreichen Publikationen auftauchen. Dort heißt es: „‚Invisible Children‘ wurde immer und immer wieder verurteilt. Als eine registrierte non-profit Organisation sind ihre Finanzen öffentlich einsehbar. Im vergangenen Jahr hat die Organisation $ 8.676.614 ausgegeben. Nur 32 Prozent gingen direkt in Dienstleistungen, der Großteil des Restes ging für Mitarbeitergehälter, Reise-und Transportkosten, und Filmproduktionen drauf. Dies ist bei weitem nicht ideal. Charity Navigator stufte ihre Rechenschaft mit 2 von vier Sternen ein, weil sie ihre Finanzen nicht haben extern prüfen lassen. Aber es geht tiefer als das.“

Das Budget von „Invisible Children“ kann hier eingesehen werden. Daraus geht hervor, dass 1,074,273 Dollar für Reisen und 1,724,993 Dollar für Mitarbeiter ausgegeben wurden. Mittlerweile hat „Invisible Children“ auch in einem eigenen Blogeintrag auf die Vorwürfe reagiert, worin die Organisation noch einmal ihr „dreipoliges“ Konzept zur Bekämpfung der LRA vorstellt: Dokumentation der Verbrechen, Bündelung gemeinsamer Interessen in Energie und operative Programme an der Basis. „Als Reaktion auf dieses explodierende Interesse hinsichtlich des Films Kony 2012 gab es hunderte, tausende Kommentare zur Unterstützung der Festnahme von Joseph Kony und der Arbeit von Invisible Children. Aber es gab auch einige, die falsche oder irreführende Informationen über diese Anstrengungen verbreitet haben.“

Jagd im Internet: Könne Probleme wirklich so gelöst werden?

Einige Reddit User, so heißt es bei „mashable“ weiter, waren intensiv in die Diskussion über die 30-Minuten-Dokumentation involviert, warfen einige Fragen auf und stellten die mangelnde Regeltreue von „Invisible Children“ mit zum „Better Business Bureau’s Wise Giving Alliance“ heraus. Zwar sei die Teilhabe an dieser Allianz durchaus eine freiwillige Angelenheit. Würde man sich dort allerdings nicht einbringen, zeuge das von fehlender Transparenz, so das Urteil dort über „Invisible Children“.

Auch auf Twitter wurde heftig diskutiert. Dort wurde der Organisation zum Beispiel zu viel Lockerheit vorgeworfen. Könne denn ein solches Problem wirklich durch „liken“, „retweeten“ und „teilen“ im Social Web gelöst werden? Ganz gleich, wie es um die Finanzen der Organisation bestellt ist. Am Ende bringt es „mashable“-Autorin Zoe Fox deutlich auf den Punkt: Jeder einzelne müsse sich intensiver mit „Invisible Children“ auseinander setzen. Aber wie viele hätten das, bevor sie den Film geteilt haben, denn schon gemacht? Wird hier am Ende gar eine falsche Illusion davon vermittelt, wie man solche Dinge regeln könne? Wenn man sich einmal quer durch die Kommentare lese, enstünde genau dieser Eindruck.

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