Zentralrat der Armenier in Deutschland: „Toleranz-Preis für Erdoğan ist unerträglich“

Dass Ministerpräsident einen Preis für Toleranz erhalten soll, stößt vielerorts auf Kritik. Jetzt meldet sich auch der Zentralrat der Armenier zu Wort. Er hält die Preisvergabe für "unerträglich".

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Heftige Reaktionen hat die Bekanntgabe des türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdoğan für den Steiger-Preis auch bei dem Zentralrat der Armenier (ZAD) in Deutschland ausgelöst.

Der Preis stehe für Toleranz, Menschlichkeit und das Zusammenwachsen Europas „Erdoğan und seine Regierung werben massiv dafür, dass Migranten in Deutschland sich nicht integrieren. Sie stehen für Intoleranz nichttürkischen und nichtmuslischen Ethnien gegenüber und sind noch weit entfernt von einem Wertekanon, der Europa zusammenhält”, so der ZAD-Vorsitzende Azat Ordukhanyan in der Pressemitteilung.

Dass ausgerechnet Erdoğan den Preis bekommen soll, hält er für „unerträglich”, denn Toleranz und Menschlichkeit der Regierung Erdoğan müssten sich auch messen lassen am Umgang mit der christlichen Minderheit der Armenier.

„Wir warten noch immer, seit nunmehr 97 Jahren, darauf, dass die Türkei uns zugesteht, in unserer alten Heimat um die 1,5 Millionen Opfer des Völkermords von 1915 zu trauern. Das Gegenteil ist der Fall – unverändert sind unsere Landsleute heftigen Repressalien ausgesetzt,“ so Ordukhanyan.

Für die Preisverleihung am 17. März in der Jahrhunderthalle Bochum hat der ZAD Proteste angekündigt.

Der Steiger-Award ehrt jedes Jahr Menschen, „die geradlinig ihren Weg verfolgen und dabei nach den Grundwerten der Steiger handeln. Diese sind nach Einschätzung der Jury Offenheit, Menschlichkeit, Geradlinigkeit, Toleranz“, so heißt es in der Selbstdarstellung.

In der Begrüdung für die Preisvergabe an den türkischen Ministerpräsidenten heißt es: „Seit Jahren bemüht sich S.E. Premierminister Recep Tayyip Erdogan um einen demokratischen Wandel in seinem Land. In diesen Tagen wird deutlich, dass die Türkei eine Schlüsselrolle im Nahen Osten übernimmt. Die Türkei ist dabei von entscheidender strategischer Bedeutung. Das wirtschaftliche Potenzial der Türkei und ihre Funktion sind nicht zu unterschätzen. Längst ist die Türkei ein wichtiger Partner Deutschlands und Europas geworden. Für diese Bemühungen, aber auch als deutliches Zeichen für gelebte deutsch-türkische Freundschaft erhält Premierminister Erdogan den Steiger Award in der Kategorie „Europa“.“ Die Laudation wird der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder halten.

Desweiteren werden der Sänger und Songschreiber Lou Reed, die Schauspielerin Christiane Hörbig, Königin Silvia von Schweden, Bundespräsident a.D. Horst Köhler, die Schauspieler Hannes Jaenicke und Christine Neubauer, Journalist Peter Kloeppel, Nachwuchsmusiker Tim Bendzko, Modedesigner Wolfgang Joop sowie Dirigent und Musikdirektor Steven Sloane geehrt.

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