Krankheit: Gefährdet Erdoğans Gesundheitszustand die Stabilität der Türkei?

Bereits zum zweiten Mal wurde Ministerpräsident Erdoğan operiert. Sein Gesundheitszustand wirft Fragen über die Zukunft des Landes auf. Bislang hat der charismatischen AKP-Führer die Strippen der Politik fest in seinen Händen gehalten – sein Ausfall würde nicht nur das Fundament seiner Partei erschüttern, sondern auch die Politik der Türkei.

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Die Krankheit von Ministerpräsident Tayyip Erdoğan könnte eine deutliche Gefahr für die Einheit der AKP darstellen, so die Einschätzung der Royal Bank of Scotland Group (RBS) mit Sitz in London.

Es sei, so die Einschätzung von Tim Ash von der RBS in einer Nachricht von Bloomberg, Erdoğans „bemerkenswerte“ Persönlichkeit, welche „die Entwicklung von Nachfolgern“ als Führer der AKP verhindert.

2003 sei es das erste Mal zu Missstimmungen innerhalb der AKP gekommen. Damals war der Ministerpräsident zum ersten Mal wegen Darmproblemen operiert worden. Während seiner mittlerweile dritten Amtszeit wurde er im vergangenen Monat erneut operiert. Wikileaks hatte derweil Dokumente veröffentlicht, denen zufolge erwartet wurde, dass Erdoğan innerhalb von zwei Jahre sterben werde.

„Eine AKP ohne Erdoğan wird auseinanderbrechen“

„Die Gefahr ist, dass eine AKP nach Erdoğan der zentrifugalen Kraft unterliegt an der sich letztendlich auseinanderbrechen wird“, so die Einschätzung von Ash. „Die Führungsrolle, die Erdoğan eingenommen hat, seine Vision und die Dominanz der AKP haben maßgeblich zur relativen politischen Stabilität und zum wirtschaftlichen Erfolg des Landes während des letzten Jahrzehnts beigetragen“, bewertet Ash die starke Rolle der Regierungspartei.

„Nur Gott kann entscheiden wie lange wir leben“

Erdoğan hingegen rügt alle, die über seinen Gesundheitszustand spekulieren: „Alle diejenigen, die Gerüchten Glauben schenken und versuchen, die Lebensdauer zu berechnen, sind nicht nur dreist, sondern auch unverschämt. Nur Gott kann entscheiden, wie lange wir leben“. Gerüchte, er habe Krebs, hat Erdoğan immer geleugnet.
Allerdings hat sein gesundheitsbedingter Ausfall vor allem eins ans Tageslicht gebracht: Die Spannungen und Rivalitäten innerhalb der AKP. „Der Ministerpräsident hält rivalisierende Gruppen in Schacht und ohne ihn würden die unterschiedlichen Bereiche auseinanderbrechen“, schätzt Ash die Lage ein.
Erdoğan selbst hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er lieber ein Präsidialsystem in der Türkei hätte als ein parlamentarisches System. Bislang hat er noch nicht seinen Wunsch dementiert, 2014 als Staatspräsident des Landes zu kandidieren. Staatspräsident Gül hingegen, der von der Nationalversammlung gewählt worden war, kann nicht noch einmal für das Amt des Staatspräsidenten kandidieren. (Lange wurde über die Nachfolgeregelung des Staatspräsidenten-Amts diskutiert, mehr hier) „Einen wirklichen Nachfolger für Erdoğan gibt es noch nicht“, so Ash. Mögliche Nachfolger allerdings sind die stellvertretende Ministerpräsidenten Bülent Arınç und Ali Babacan.

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