Gauck: Ich war noch nie in der Türkei

Nach Wulffs anerkennender Haltung gegenüber Migranten hat es Gauck besonders bei ihnen schwer. Er versichert, dass er die Wulff-Linie weiter verfolgen will. Mit dem türkischen Staatspräsidenten Gül führte er schon ein nettes Telefongespräch, in der Türkei war er allerdings noch nie.

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Einige Tage vor seiner Ernennung zum Bundespräsidenten spricht sich Gauck in einem Interview mit der Hürriyet für die deutsch-türkische Freundschaft aus. Er scheint sich auf das Amt des Bundespräsidenten gut vorzubereiten, denn er erzählt von einem „sehr freundschaftlichen“ Telefongespräch mit dem türkischen Staatspräsidenten Gül. In der Türkei sei er allerdings noch nie gewesen. Trotzdem betont er: „Deutschland und die Türkei müssen sich weiter annähern“. In seinem Amt wolle er dafür sorgen, dass die Beziehungen zwischen beiden Ländern weiter gestärkt werden.

Auf die Frage, wie Gauck den Migranten in Deutschland in Zukunft begegnen werde, antwortet er, er wolle die bisherige Linie weiterführen (das wünschen sich auch die Deutsch-Türken – mehr hier). „Ich werde keine andere Integrations-Politik verfolgen als Wulff“, so Gauck. In seiner Rede am kommenden Sonntag werde er besonders auf die Integrationsfrage eingehen (dass der Islam zu Deutschland gehört, wird er vermutlich nicht sagen – mehr hier).

Die heftige Kritik nach der Debatte um seine alten Aussagen zu Sarrazin ebbt allmählich ab. Nach Wulffs Rücktritt waren nach Angaben des ARD-DeutschlandTrends nur 43 Prozent der Deutschen davon überzeugt, dass Gauck für das Amt geeignet sei. Nun sind es schon 67 Prozent, die glauben Gauck sei eine „gute Wahl“.

In einem Interview hatte er Sarrazins Theorien entschieden verurteilt, doch Gauck fand, er habe „Mut bewiesen“. Diese Worte sagte Gauck im Jahr 2010. Vor allem auf die Integration einzugehen wird auch in seinem Amt als Bundespräsident nicht nötig sein. Eine Sonderbehandlung könnte sich sogar negativ auswirken. Eine Gleichbehandlung und die Anerkennung der Menschen mit Migrationshintergrund ohne sie allein für die Probleme der Gesellschaft verantwortlich zu machen, würde schon ausreichen.

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