Türkische Bank schlägt zurück: Wir sind keine Pornoseite!

Das türkische Kreditinstitut Denizbank hat Beschwerde gegen den Betreiber einer Internetseite eingereicht, der den Namen der Bank in Zusammenhang mit einer Pornoseite verwendet. Die Denizbank verlangt nun, dass die Seite mit der URL "xxx" am Ende umgehend entfernt wird.

Möglich gemacht wurde dieser Umstand durch die türkische Regierung selbst. Im Jahr 2011 wurde in der Türkei die „xxx“-Kennung der URLs eingeführt, um so schon anhand der Internetadresse erkennen zu können, ob es sich um fragwürdige Seiten mit pornographischen Inhalten handelt (auch Google und Facebook waren in der Türkei von Blockaden betroffen – mehr hier).

Jeder Domain mit der Endung „xxx“ kaufen

Doch der Vorstoß der Behörden ging nach hinten los (nach einer dreimonatigen Testphase wurden Ende letzten Jahres auch gut 130 Wörter auf den Index gesetzt – mehr hier). Anstatt die „Spreu vom Weizen“ zu trennen, wurden im Zuge dessen viele Unternehmen und Institutionen mit Pornoseiten in Verbinung gebracht, die so rein gar nichts mit dem horizontalen Gewerbe zu tun haben. Auch hier lag die Lücke des Systems auf der Hand: Praktisch jeder konnte eine Domain mit der Endung „xxx“ kaufen – auch mit einem Markennamen (Arianna Huffington prophezeite schon im vergangenen Herbst, dass Internetzensur scheitern werde – mehr hier).

Das will die Denizbank allerdings nicht hinnehmen. Sie hat Beschwerde bei der World Intellectual Property Organization (WIPO) eingereicht. Die entsprechende Seite mit ihrem Namen und der „xxx“-Endung solle umgehend entfernt werden. Denizbank ist übrigens nicht das erste Unternehmen, das sich dergestalt an die WIPO wendet. Ingesamt haben sich bereits 17 Firmen, darunter etwa 20th Century Fox, Sterling Jewelers oder auch Ölriese  Valero Energy und die Organisation gewandt. Auch türkische Betriebe waren unter den Beschwerdeführern: Konkret handelt es sich hierbei um Finansbank, Borçelik und Borusan.

Prüfung der Beschwerde durch WIPO dauert zwei Monate

Von heute auf morgen wird Denizbank sein Porno-Äquivalent allerdings nicht los. Im Durchschnitt dauert ein Verfahren der WIPO gut zwei Monate. In dieser Zeit werden die Seiten einer intensiven Prüfung, unter anderem hinsichtlich der Verletzung von Eigentumsrechten, unterzogen.

Einen weitaus exotischeren, aber sicherlich wirksameren Weg, um solche Auswüchse schon im Vorfeld zu verhindern, schlug übrigens die University of Kansas ein. Sie gab rund 3000 Dollar aus, um verschiedene Domains mit der einschlägigen Endung zu erwerben und so späteren Missbrauch vorzubeugen (für den 22.August 2011 sahen viele den Tod des freien Internets für die Türkei voraus – mehr hier).

Mehr zum Thema:

Welttag gegen Internetzensur: Reporter ohne Grenzen haben die Türkei im Auge
Ex-Google-Chef Eric Schmidt und Erdoğan besprechen türkisches Schul-Projekt
Geburtstagsgeschenk für Tochter: Türkischer Vater findet Pornos auf neu gekauftem Tablet PC

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.