Trost für die Familien der toten Soldaten: „Das ist unser Martyrium“

Der vergangene Freitag war für das türkische Militär, aber vor allem für einige türkische Familien der wohl rabenschwarzeste Tag ihres Lebens. Bei einem Hubschrauber-Absturz nahe Kabul kamen zwölf türkische Soldaten ums Leben. Als die Angehörigen die schlimme Botschaft erfuhren, waren sie am Boden zerstört.

Wie überbringt man am besten eine Todesnachricht? Was sind die richtigen Worte? Wie kann in der größten Not Trost gespendet werden? Als ranghohe türkische Militärs und lokale Behörden am vergangenen Freitag die schwere Aufgabe hatten, die Familien der zwölf getöteten Soldaten zu informieren und ihnen ihr Beileid auszusprechen, mag ihnen genau das durch den Kopf geschossen sein.

Familien der Toten Soldaten sind verzweifelt

Unter ihnen waren auch der Garnisonskommandant des Distrikts Bozüyük, Alper Koç, und der hiesige Polizeichef Kopf Süleyman. Sie mussten den schweren Gang zur Familie von Geschwaderführer Mithat Çolak in der westtürkischen Provinz  Bilecik antreten. Çolak war gerade im Begriff eine sechsmonatige Dienstzeit in Afghanistan zu absolvieren. Er starb nun gerade einmal eineinhalb Monate bevor es für ihn zurück in die Heimat gehen und er einem anderen Stützpunkt zugeordnet werden sollte. Çolak hinterlässt zwei Kinder. Nachdem seine Eltern von seinem Tod informiert wurden, erlitten beide einen Nervenzusammenbruch. „Das ist unsere Nation. Das ist unser Staat und das ist unser Märtyrium. Çolak arbeitete für unsere Nation“, versuchte Kommandant Koç die Trauernden ein wenig aufzurichten.

Ähnliche Szenen ereigneten sich auch andernorts. Der Gouverneur des Distrikts Fatsa am Schwarzen Meer, Bekir Atmaca, und mehrere Offiziere hatten die schwere Aufgabe die Familie des Geschwaderführers Şükür Bağdatlı von dem Unglück in Kenntnis zu setzen. Auch dessen Eltern waren von der Todesnachricht am Boden zerstört. Sein Tod stand ebenfalls fast am Ende seiner Dienstzeit in Afghanistan. Gut vier Wochen später hätte Bağdatlı eigentlich heimkehren sollen. Ob seine Frau und seine Tochter, die gegenwärtig in Frankreich leben, bereits von seinem Tod erfahren haben, war am späten Freitagabend noch nicht bekannt (den US-Amerikaner war Ende letzten Jahres ein peinlicher Fauxpas unterlaufen als die Luftwaffe Leichenteile von getöteten Soldaten verloren hatte – mehr hier).

Nach Angaben der afghanischen Polizei befanden sich unter den Todesopfern auch zwei Frauen und zwei Kinder. Sie starben als der Militärhubschrauber in ein Haus nahe der Hauptstadt Kabul stürzte. Auch die afghanischen Behörden gehen derzeit wie ihre türkischen Kollegen von einem technischen Defekt aus („Vom Ort des Absturzes sieht es so aus wie eine Notlandung“, sagte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu im TV – mehr hier).

Einsatz der Türkei in Afghanistan wird weitgehend akzeptiert

Die türkische Mission in Afghanistan ist auf Patrouillen beschränkt. Türkische Einheiten nehmen nicht an Kampfhandlungen teil. Derzeit halten sich mehr als 1800 türkische Soldaten im Land auf. Im Gegensatz zu anderen NATO-Ländern ist die öffentliche Meinung zum Einsatz weniger kritisch, was vor allem an der Ausrichtung des Einsatzes liegen mag (Anfang Dezember sprach sich die Türkei für eine Unterstützung Afghanistans auch nach 2014 aus – mehr hier). Auch unter den Afghanen gibt es keinen Unmut über die Präsenz der Türkei. Dies liege, nach Einschätzung türkischer Medien, offenbar darin begründet, dass es sich ebenfalls um Muslime handle. Daneben, so heißt es weiter, spiele aber auch die historische Verbundenheit zwischen Afghanistan und der Türkei eine Rolle (ein Afghane hat kürzlich den größten Koran der Welt gezeichnet – mehr hier).

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