Can Bonomo beim Eurovision Song Contest: Deshalb hat sich die Türkei für ihn entschieden

Es war die Überraschung Anfang 2012: War zunächst noch von mehreren Nominierten die Rede, zauberte die Türkei wie aus dem Nichts den Newcomer Can Bonomo aus dem Hut, um die türkische Sangesehre beim Eurovision Song Contest in Baku zu verteidigen. Jetzt, gut zwei Monate später, liefert TRT die längst fällige Erklärung für diese Entscheidung nach.

Die türkische Radio-und Fernsehanstalt (TRT) hatte ihre Zuschauer Anfang Januar dieses Jahres ziemlich in die Irre geführt. Da gab es Online-Votings für die türkischen Eurovision-Kandidaten, Atiye, Hande Yener und Murat Boz waren im Gespräch (auch die DTN hatten die türkischen Kandidaten vorgestellt – mehr hier) und doch gab TRT dann kurzerhand bekannt, dass der Newcomer Can Bonomo im kommenden Mai in die aserbaidschanische Hauptstadt Baku reisen werde (Can Bonomo war öffentlich gar nicht als Kandidat im Gespräch – mehr hier). Niemand hatte den jungen Mann auf der Karte. Größer hätte die Irritation kaum sein können.

Brückenschlag: Can Bonomo ist ein türkischer Jude

Warum man sich dennoch für Can Bonomo entschieden hat und der nun ganz ohne Abstimmung als Vertreter der Türkei ins Rennen geht, das hat jetzt der Generalmanager von TRT erklärt (gleich nach der Bekanntgabe sorgte er Künstler erneut für Aufruhr, weil er ankündigte, nicht auf Türkisch singen zu wollen – mehr hier, Konkurrent Kıraç erklärte, dass für ihn so etwas nicht in Frage gekommen wäre – mehr hier). Demnach fiel die Wahl auf Grund seines Hintergrunds auf den sympathischen jungen Mann, der nach eigenem Bekunden selbst von seiner Wahl überrumpelt wurde. Denn: Bonomo, der im Gespräch mit den Deutsch-Türkischen Nachrichten seinen Faible für die einstige deutsche Kandidatin Lena verriet (wie sie will er sich an die Spitze der 43 Kandidaten singen – mehr hier) ist ein türkischer Jude.

Bonomos Wurzeln, so ist man bei TRT überzeugt, würden helfen, einige negative Standpunkte gegenüber Türken in der Welt auszuräumen (Armenien tritt heuer übrigens nicht an – mehr hier). Außerdem könnten sie hilfreich sein, um beim Contest selbst mehr Stimmen der anderen Nationen zu erhalten, zitiert die Nachrichtenagentur Anatolia TRT-Leiter İbrahim Şahin.

TRT baut auf Stimmen aus Aserbaidschan

Danach gefragt, wie viele Chancen Şahin der Türkei heuer innerhalb des Traditions-Contest einräume, erklärte der: „Wir könnten den Wettbewerb gewinnen, würde er in diesem Jahr nicht in Aserbaidschan ausgetragen werden. Im letzten Jahr wurde ein Turk-Land gewählt. Das wird nun nicht noch einmal passieren. Deshalb glaube ich nicht, dass wir große Chancen haben werden.“ Dennoch baut er auch 2012 auf die gegenseitige Unterstützung zwischen der Türkei und Aserbaidschan, wie sie auch schon beim Entscheid 2011 stattgefunden hat (Bei der Eurovision-Siegesfeier von Ell und Nikki schwenkten diese die türkische Fahne – mehr hier). Daneben setzt İbrahim Şahin aber auch auf den frischen Sound, den Bonomo nach Baku bringen wird. Die Einflüsse des Balkans seien deutlich zu hören und könnten so auch in diesen Ländern Menschen für Can Bonomo begeistern (erst am vergangenen Donnerstag wurde das Video zum Song vorgestellt – mehr hier).

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