Vorstoß in der Türkei: Erste Partei für Tierrechte gegründet

In der vergangenen Woche wurde in der Türkei die erste Partei für Tierrechte gegründet. Die "Tier-Partei" wurde aus der Taufe gehoben, um auf dem politischen Parkett künftig verstärkt auf die Themen Tierschutz und Tierrechte aufmerksam zu machen.

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In einem ersten Interview mit der türkischen Nachrichtenseite „Bianet“ erklärte Gründungsmitglied Neslihan Demir die Ziele seiner Partei wie folgt: Hier, so Demir, gehe es nicht einzig darum, für Tierliebe zu werben, sondern auch um zu erinnern, das wir Menschen nicht alleine auf diesem Planeten leben würden. Wir leben mit Tieren zusammen und diese genießen ebenfalls Rechte.

Holland hat bereits seit 2002 „Partij voor de Dieren“

In den vergangenen Jahren hätten sich viele Länder in Sachen Tierschutz vermehrt engagiert, so Demir weiter. Es seien Parteien gegründet worden, um das Wohlergehen von Tieren sicherzustellen und deren Rechte auf die politische Agenda zu bringen. „Die holländische Partei Partei für Tiere‘ (PvdD) hält aktuell zwei Sitze im niederländischen Parlament. Realistisch betrachtet wollen wir gar nicht ins Parlament. Doch wir hoffen auf Zusammenarbeit und darauf bei der neuen Verfassung mitreden zu können“, so Demir.

Die holländische „Partij voor de Dieren“ wurde im Oktober 2002 von Marianne Thieme gegründet. Derzeit hält die Partei zwei der insgesamt 150 Sitze im holländischen Repräsentantenhaus, der so genannten Zweiten Kammer, sowie einen Sitz im Senat, der so genannten Ersten Kammer. Ihr gehören rund 12.000 Mitglieder an. Ihr Hauptsitz befindet sich in Amsterdam. Das Hauptziel der Partei besteht seit ihrer Gründung darin, im niederländischen Grundgesetz Tierrechte zu verankern, weitere Standpunkte finden sich im Wahlprogramm kaum – unter anderem wird jedoch eine großzügigere Asylpolitik propagiert.

Tierrechte traditionell in der Türkei als wichtig erachtet

Laut Demir seien sich die Mitglieder der neu gegründeten türkischen Tier-Partei bewusst, dass es durchaus ein harter Kampf werden könnte bis man die Menschen in der Türkei von der Notwendigkeit einer solchen Partei überzeugt habe. Gleichzeitig weist sie jedoch darauf hin, dass die Rechte von Tieren in der Türkei schon von jeher als wichtig erachtet wurden. Auf der anderen Seite: „Es gab schon immer solche, die zynisch sagten: ‚Der erste Blick gilt dem Schutz der Menschenrechte‘, dann der der Tiere. Doch in der Vergangenheit war das nicht so“, erklärt die Tierschützerin weiter. Während des Osmanischen Reiches hätte es in der Türkei sogar Gesetze und Mandate eigens zum Schutz von Pferden und Eseln, die als Zugtiere eingesetzt wurden, gegeben. Auch um die Pflege von Vögeln, Katzen und Hunden hätte man sich gekümmert.

Entschieden stellt sich die neue Partei nun gegen die Jagd, Tierhandlungen und die Verwendung von Feuerwerkskörpern, die nicht nur für Vögel gefährlich sind, sondern auch für andere Tiere, die durch die Explosion irritiert und verschreckt werden können. „Im Endeffekt wollen wir erreichen, dass Tiere nicht länger als Sache und Eigentum von Menschen wahrgenommen werden, die missbraucht werden können und nur zum Gefallen der Menschen da wären“, fasst  Demir die Richtung der Partei, die sich der Arbeit des CHP-Abgeordneten Melda Onur nahe fühlt, zusammen. Auch Onur kümmert sich um die Belange von Tieren auf politischer Ebene. Seines Erachtens muss die Gesetzeslage, die die Bestrafung von Tiermissbrauch regelt, dringend geändert werden.

Erstes Parteitreffen am 24. März in der Şehir Universität

Um Parteimitglied zu werden müsse man, so Demir, kein eigenes Haustier besitzen, sich dazu berufen fühlen streunende Katzen zu füttern oder jeden Hund zu streicheln, der einem über den Weg läuft. Vielmehr sei die Partei für all diejenigen, die die Wahrnehmung der Menschen verändern wollen. Das erste Treffen der Partei wird am 24. März in Form einer Hunde-Konferenz stattfinden. Im Rahmen dessen soll es gleich um eine ganze Reihe von Themen gehen, etwa wie Hunde in urbaner Umgebung, die Stellung der Hunde in der Geschichte und Hunde im Islam. Die erste Zusammenkunft wird von 10 bis 16 Uhr in der Şehir Universität abgehalten.

„Tierschutzpartei“ in Deutschland seit 1993 aktiv

Auch in Deutschland gibt es eine so genannte „Tierschutzpartei“. In ihrem Profil heißt es: „Wir treten für einen konsequenten Umwelt- und Tierschutz ein, nicht zuletzt, weil konsequenter Umwelt- und Tierschutz auch der beste Menschenschutz ist (…).Unsere Partei wurde am 13. Februar 1993 gegründet und hat aktuell rund 1050 Mitglieder. In allen 16 Bundesländern sind wir mit Landesverbänden sowie zum Teil mit Kreis- und Ortsverbänden vertreten (…). Der Frauenanteil in unserer Partei beträgt ca. 68 Prozent. Die ersten Abgeordneten unserer Partei sind bereits in Kommunalparlamente eingezogen. Bei der Europa-Wahl 2009 erreichten wir mit 289.572 Wählerstimmen beachtliche 1,1 Prozent. Kaum bekannt ist, dass wir bei 32 angetretenen Parteien damit in der Wählergunst an achter Stelle in Deutschland lagen.“

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