845 neue Autos jeden Tag: Istanbul versinkt im Verkehr

Die türkische Millionenstadt Istanbul pulsiert wie nie zuvor. Jeden Tag nahm im vergangenen Januar die Verkehrsbelastung der Megacity am Bosporus um satte 845 Fahrzeuge zu. Insgesamt waren das im ersten Monat 2012 ganze 25,337 Autos mehr. Das gab das Türkische Institut für Statistik (TÜİK) im Rahmen seines monatlichen Berichts bekannt. In Berlin waren es im gleichen Zeitraum nur halb so viele.

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Waren es im Dezember 2011 noch 2.92 Millionen Fahrzeuge, die Istanbuls Straßen verstopften, wurden im Januar 2012 schon 2.95 Millionen gezählt. Und auch im Rest des Landes wurde ordentlich zugelegt (die Türken sparen derzeit so wenig wie nie zuvor – mehr hier): Im Vergleich zum Vormonat stieg die Zahl der in der gesamten Türkei registrierten Fahrzeuge im Januar um satte 74.4 Prozent bzw. rund 126,000 Stück, so das TÜİK weiter. Dieser Zahl stehen 14,603 Abmeldungen gegenüber. Aktuell sind damit 16.2 Millionen zugelassene Fahrzeuge in der Türkei unterwegs. Zusammengefasst sind hier Personenfahrzeuge, Kleinbusse, Busse, Kleintransporter, LKWs, Motorräder, Traktoren und Sonderfahrzeuge. 367 987 wechselten im vergangenen Januar den Besitzer.

Eine halbe Million Neuzulassungen im gesamten Bundesgebiet

In der deutschen Hauptstadt Berlin sind die Zahlen nicht ganz so „satt“. Dort waren es im Januar 2012 rund die Hälfte derer, die in Istanbul neuerdings unterwegs sind, nämlich 13.000 Neuzulassungen von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern. Im gesamten Bundesgebiet kamen deutsche Autobesitzer aber auf einen deutlich höhren Wert, nämlich auf fast eine halbe Million.

Doch zurück zur Hauptstadt: Für das Jahr 2011 zieht das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg eine insgesamt positive Bilanz: „Im Jahr 2011 verzeichnete das Kraftfahrt-Bundesamt eine zweistellige Zuwachsrate bei neu zugelassenen Kraftfahrzeugen für Berlin. Wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mitteilt, stieg die Anzahl der zugelassenen fabrikneuen Kraftfahrzeuge im Vergleich zum Jahr 2010 um 9 308 Kraftfahrzeuge bzw. 10,5 Prozent. Es wurden 6 180 Personenkraftwagen, 2 057 Lastkraftwagen und 1 031 Zugmaschinen mehr zugelassen. Einen Rückgang verzeichneten die Krafträder mit 1,8 Prozent.“ Von den 2011 zugelassenen fabrikneuen Personenkraftwagen würden 39,3 Prozent über einen Dieselmotor verfügen. Außerdem seien 355 Pkw mit einem Erdgas- bzw. Flüssiggasmotor und 730 Hybrid-Personenkraftwagen neu zugelassen worden. Die abgasärmere Euro-5-Norm sei von 95,4 Prozent aller fabrikneuen Pkw erfüllt worden.

Insgesamt waren zum 1. Januar 2012 laut Kraftfahrt-Bundesamt 58 Millionen Kraftfahrzeuge sowie Anhänger auf deutschen Straßen unterwegs. Nicht mitgezählt wurden Fahrzeuge mit Versicherungskennzeichen. „Der Personenkraftwagen (Pkw)-Bestand erhöhte sich somit um 1,5 Prozent auf 42,9 Millionen Fahrzeuge.“ Davon entfielen, trotz leichtem Rückgang um 0,2 Prozent, noch immer 65,4 Prozent auf deutsche Hersteller: „VW tritt mit 9,1 Millionen Pkw am häufigsten in Erscheinung (+1,8 %). Bei Opel (-1,3 %) und Ford (-0,6 %) verringerten sich die Fahrzeugbestände. Mit 2,2 Millionen Einheiten führt Renault/Dacia (+0,9 %) die Rangliste der Importeure in Deutschland an. Auffällig überdurchschnittliche Steigerungsraten waren bei Hyundai (+12,6 %) und Skoda (+9,1 %) zu beobachten.“ Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge ist ebenfalls etwas gestiegen und liegt derzeit bei 8,5 Jahren. Auch hinsichtlich der Fahrzeugdichte macht das KBA Angaben. Sie lag Anfang des Jahres bei 633 Kfz auf 1.000 Einwohner.

Türkischer Pkw-Absatz im Vorjahresvergleich um 27 Prozent gesunken

Die Autofahrernation Deutschland hat ihrem Namen also erneut alle Ehre gemacht. Und wo liegt die Türkei im europäischen Vergleich? Hier ist sie derzeit auf Rang acht der Autoverkäufe zu finden (im Januar wurde bekannt, dass die Brightwell Holdings BV, eine türkische Private-Equity-Firma, an Saab interessiert ist – mehr hier). Betrachtet man die ersten beiden Monate 2012 ist es, laut Angaben des Verbands der Türkischen Automobilhändler, gar nur Rang neun. Der türkische Pkw-Absatz sank in den ersten beiden Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ganze 27 Prozent (als Hauptproblem im Straßenverkehrt gilt hingegen Alkohol. Diese Zahlen steigen – mehr hier) Insgesamt schrumpfte der europäische Automarkt im Februar 2012 – ebenfalls im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – um 9.2 Prozent. Im Zwei-Monats-Vergleich waren es immerhin noch  7.8 Prozent.

Hinsichtlich der Verteilung der Fahrzeuge über verschiedene Fahrzeughersteller ergibt sich für den Januar 2012 folgendes Bild: Während in Deutschland VW vorne liegt, fliegen  die Türken eher auf andere Marken. 18,3 Prozent der Fahrzeuge sind aus dem Hause Renault. 9,7 Prozent sind von Tofaş-Fiat, Opel verbucht 9,4 Prozent für sich, Volkswagen 8,9 Prozent, Ford 8,3 Prozent, Hyundai 6,9 Prozent, Toyota  5,6 Prozent, Chevrolet 4,6 Prozent, Dacia 3,8 Prozent und andere Hersteller machen 24,5 Prozent aus. Anders als in Deutschland laufen 40.1 Prozent der Fahrzeuge mit Autogas, 37,1 Prozent mit Benzin, 22,1 Prozent mit Diesel. 0,7 Prozent der Fälle ist der Antriebstyp unbekannt (auch das türkische Religionsministerium will in Sachen Straßenverkehr mitmischen – mehr hier).

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