MHP-Chef: Türkei muss Afghanistan Einsatz neu überdenken

Der Chef der rechtsextremen türkischen „Partei der Nationalistischen Bewegung“ (MHP), Devlet Bahçeli, ist nach dem Hubschrauber Absturz nahe Kabul mit zwölf toten türkischen Soldaten der Ansicht, die Türkei sollte ihre Präsenz in Afghanistan als Teil der von der NATO geführten internationale Schutztruppe Isaf noch einmal überprüfen.

In einer Erklärung sagte Bahçeli, dass der Vorfall in Afghanistan vom vergangenen Freitag, die eskalierende Gewalt in dem vom Krieg zerrissenen Land und die jüngsten Entwicklungen, die er als „provokativ“ bezeichnete (im vergangenen September waren vier türkische Ingenieure nach acht Monaten aus den Händen der Taliban frei gekommen – mehr hier), es notwendig machen würden, „unsere militärische Präsenz dort noch einmal überdenken“ (immer noch kommt es zu Gräueltaten – mehr hier, im November sorgte ein Selbstmordanschlag für Schlagzeilen – mehr hier).

Der Absturz des türkischen Militär-Hubschraubers war der verheerendste Verlust der NATO-Truppen seit vergangenen August. Damals waren 30 US-Soldaten beim Absturz eines Helikopters vom Typ CH-47 Chinook, darunter auch 22 Männer der Elitetruppe Navy-Seals, die für die Tötung von Terrorfürst Osama Bin Laden verantwortlich zeichnete, ums Leben gekommen. Für die Vereinigten Staaten war der Zwischenfall in der zentralöstlichen Provinz Wardak der schwerste Verlust seit dem Einmarsch ausländischer Truppen in Afghanistan 2001. Der Helikopter wurde von Taliban abgeschossen. Die Isaf hingegen hielt sich zunächst zum Thema Absturzursache bedeckt (zuletzt sorgten versehentlich Koran-Verbrennungen für Zündstoff – mehr hier).

Afghanistan-Einsatz bisher ohne große Verluste für die Türkei

Derzeit sind in rund 1800 türkische Soldaten in Afghanistan stationiert und führt NATO-Operationen in der Provinz von Kabul aus. Da der Einsatz der türkischen Truppen keine Teilnahme an Kampfeinsätzen vorsieht, hatte man bisher relativ geringe Verluste zu beklagen. 2009 wurden zwei Militärs, einer von ihnen Oberst, in Nord-Afghanistan bei einem Verkehrsunfall getötet.

Daneben appellierte Bahçeli auch an die verantwortlichen Stellen, den Vorfall vom vergangenen Freitag näher zu untersuchen und so klar zu stellen, ob es doch irgendwelche Angriffe auf das Fluggerät gegeben habe. Daneben stellte der MHP-Chef heraus, dass die Kosten dieses Einsatzes Tag für Tag steigen würden. Dieser habe bisher jedoch zu keinerlei nationaler Aussöhnung geschweige denn Stabilität im Land führen können. Nach Ansicht von Bahçeli ließen sich solche blutigen Zwischenfälle, der Einfluss von Terrorgruppen, Beleidigungen des Islam, die Tötung von Zivilisten und unschuldigen Menschen nicht einfach aus dem Gedächtnis streichen. Bahçeli forderte die türkische Regierung daher auf, verantwortungsvoll und mit Respekt hinsichtlich der Rechte der türkischen Sicherheitskräfte, die ihren Dienst abseit der Heimat tun, zu handeln. Sie sollte auf jeder erdenklichen Ebene Initiative ergreifen, um das Leben der türkischen Soldaten nicht zu gefährden.

Außenministerium bekräftigt Engagement in Afghanistan

Im Zuge des jüngsten Hubschrauber Absturzes hat, türkischen Medienberichten zu Folge, auch die türkische Internet-Community angefangen, den Afghanistan-Einsatz ihres Landes zu hinterfragen. Die Militär-Präsenz der Türkei am Hindukush wurde sogar zu einem Trend-Thema auf Twitter. Bereits am vergangenen Freitag hat das türkische Außenministerium in einer Erklärung das Engagement der türkischen Streitkräfte in diesem NATO-geführten Isaf-Einsatz bekräftigt. Es wird betont, dass man den Menschen in Afghanistan weiter helfen werde.

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