Steiger Award in Bochum: Zentralrat der Armenier in Deutschland wertet Proteste gegen Erdogan als „großen Erfolg“

Nachdem der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan seinen Besuch in Bochum am vergangenen Samstag abgesagt hat, meldet sich nun erneut der Zentralrat der Armenier in Deutschland (ZAD) zu Wort. In einer Erklärung bezeichnen sie den Trubel um die geplatzte Preisverleihung als "peinlich" und verlangen nun politische Konsequenzen. Die dennoch durchgeführte Kundgebung sieht der ZAD durchwegs gelungen.

„Die dynamische Welle der Proteste und die machtvolle Demonstration an diesem Wochenende“, so der ZAD-Vorsitzende Azat Ordukhanyan, „müssen den Verantwortlichen endlich klar machen, dass sie keine Spiele mehr auf dem Rücken der Migranten spielen dürfen. Wir fordern von der Stadt Bochum und von der nordrhein-westfälischen Landesregierung – ebenso wie wir dies von der Bundesregierung verlangen -, dass sie endlich den türkischen Völkermord an den Armeniern anerkennen. Nur so kann auf Dauer verhindert werden, dass Leugner weiterhin zündeln können und dafür womöglich noch auf dem roten Teppich geehrt werden.“

Für den Zentralrat der Armenier in Deutschland gilt nach eigenen Angaben der Umgang mit dem Völkermord von 1915 und „in den Deutschland auf vielerlei Weise involviert war“, als „Barometer der politischen Moral im Lande“. Der Gesichtsverlust Erdogans sowie die Blamage des Preisstifters und des verhinderten Laudators Gerhard Schröder würden, so der Vorstand weiter, ein klares Schlaglicht auf den Wirklichkeitsverlust der beteiligten Personen werfen. Er fordert: „Die Politik muss jetzt Verantwortung übernehmen.“

„Keine Auszeichnung für den Gasbomber vom Bosporus“

Obschon zunächst der türkische Premier Erdogan und anschließend auch der Veranstalter die Preisverleihung absagten (er wollte offiziell lieber an einer Trauerfeier für die zwölf getöteten Soldaten teilnehmen – mehr hier), fanden sich am vergangenen Samstag dennoch rund 25.000 Menschen in Bochum ein, um dort friedlich gegen den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan zu protestieren. Erdogan hat seine Teilnahme abgesagt, der Stifter des Preises hat daraufhin entschieden, den Preis in der Kategorie „Europa“ ganz zurückzuziehen und diese Kategorie ersatzlos zu streichen.

Einige hielten die Absage zunächst noch für eine Finte. Andere waren der Ansicht, der Hubschrauber Absturz in Afghanistan, bei dem am Freitag zwölf türkische Soldaten starben, sei nur ein Vorwand (aus der MHP wird jetzt die Forderung laut, den Einsatz in Afghanistan noch einmal zu überdenken – mehr hier). Auf mitgebrachten Transparenten forderten sie auf einer Kundgebung im Bochumer Fußballstadion: „Keine Auszeichnung für den Gasbomber vom Bosporus“. Andere kritisierten: „Erdogan bestraft Aleviten, belohnt Mörder“. In den Augen der Demonstranten ist Erdogan nicht nur für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich zu machen, sondern auch für das geringe Engagement der türkischen Justiz, wenn es um die Aufklärung von Morden an ethnischen und religiösen Minderheiten in der Türkei gehe.

Stimme der Migranten nicht länger nur offizielle Position Ankaras

Der ZAD wertete den Protest von Armeniern, Assyrier, Kurden, Aleviten und anderen Migrantenorganisationen gegen die Verleihung des Bochumer Steiger Award an den türkischen Ministerpräsidenten als „großen Erfolg“. Ordukhanyan hierzu: „Wir haben gezeigt, dass wir gemeinsam mit anderen Verbänden stark sein können. Das war ein deutliches Signal an die Politik, und wir werden noch viele solcher Signale aussenden.“ Bisher wird, so der ZAD, in der deutschen Politik immer nur die offizielle Position Ankaras als Stimme der Migranten aus der Türkei wahrgenommen: „Das hat sich geändert. Ein für allemal.“ (schon im Vorfeld bezeichnete der ZAD den Preis für Erdogan als „unerträglich“ – mehr hier)

Die Demonstration, die zu den größten in Bochum je stattgefundenen Protesten gehörte, ist nach Polizeiangaben „außergewöhnlich friedlich verlaufen“. Wie ein Sprecher gegenüber dem WDR mitteilte hätten sich die Veranstalter an alle Absprachen gehalten und die Demonstranten sich vorbildlich verhalten.

MHP-Chef: Türkei muss Afghanistan Einsatz neu überdenken
Nach Hubschrauber Absturz in Kabul: Erdogan sagt Deutschlandbesuch ab
Türkei verliert 12 Soldaten bei Hubschrauberabsturz in Afghanistan

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.