Trotz Krise: Türkei will mehrere eigene Automarken bauen

Obwohl der Automarkt in Europa durch die Krise in den meisten Ländern schrumpft, halten die türkischen Autobauer an ihren Plänen fest, eigene Modelle zu entwickeln. Allerdings sind die Absatzzahlen in der Türkei besonders stark rückläufig. Möglicherweise bleibt es daher bei den Ankündigungen.

Beim ersten Uludag Wirtschaftsgipfel in Bursa waren sich die Unternehmer der türkischen Autobranche am Freitag einig, dass die Türkei in der Lage sei, schon innerhalb der kommenden Jahre mindestens eine türkische Automarke zu entwickeln. Die Produktion solle komplett in der Türkei stattfinden und schon bald in Serie gehen (der türkische Autohersteller Tofaş will die Produktion übernehmen – mehr hier). Trotz des seit August 2011 schrumpfenden türkischen Automarktes, zeigten sich die Hersteller optimistisch. Die Produktion solle von 1,5 auf 4 Millionen jährlich aufgestockt werden.

Die Autobranche bekommt Rückendeckung, denn hinter den Expansionsbestrebungen steckt eine Regierungsinitiative. Nach Angaben türkischer Medien arbeitet die Regierung an dem Vorhaben, das erste türkische Auto zu produzieren. Hyundai Assan Otomotive Turkey CEO Ali Kibar meint, es sei ein „längerfristiges Unternehmen“, doch schon in den kommenden zwei bis drei Jahren sei es möglich, das erste türkische Auto der Öffentlichkeit zu präsentieren. Geschäftsführer des Autoherstellers Karsan, Jan Nahum, ist sogar der Ansicht, es könnte in naher Zukunft zwei bis drei türkische Automarken geben. „Der Markt entwickelt sich in diese Richtung. Wir haben nun unsere eigenen Ziele. Es wird sowohl lokale Firmen als auch joint-ventures mit ausländischen Marken geben.“

Nach Angaben der Automotive Distributors Assocation (ODD) stand die Türkei bei den Automobilverkäufen im Januar europaweit an 8. und im Februar an 9. Stelle. Trotz ebenfalls sinkender Zahlen führt Deutschland die Liste an. Im Vergleich zum Vorjahr musste Deutschland 0,2 Prozent des Absatzes einbüßen. In der Türkei beträgt der Unterschied zum Vorjahr 27 Prozent (nach dem Rekordabsatz im Jahr 2011 hat die Krise die Türkei besonders hart getroffen – mehr hier).

Noch deutlicher sind die Zahlen im Vergleich zu den vergangenen Monaten. Im Vergleich zum Dezember 2011 wurden im Januar 34,5 Prozent weniger Autos verkauft. Mehr als 70 Prozent der türkischen Auto-Exporte landen am europäischen Markt (Deutschland importiert türkische Autoteile in Milliardenhöhe – mehr hier). Umgekehrt wird eine Vielzahl von Autoteilen aus Europa importiert.

Orhan Sabuncu, Vorstandsmitglied der Automotive Industry Exporters‘ Union, fordert deshalb die Unterstützung der Regierung in der Produktion von Motoren und elektronischen Teilen. „Es ist äußerst wichtig, dass diese im Inland hergestellt werden“, so Sabuncu. Kleinste Veränderungen des europäischen Absatzes zeigen deshalb eine große Wirkung in der Türkei. Eine Expansion des türkischen Automarktes, bevor sich Europa von der Krise erholt hat, könnte deshalb zu schweren Folgen in der Türkei führen.

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