Iranisches Öl-Embargo: Türkei sucht neue Lieferanten

Mit weiteren Sanktionen soll der Iran endgültig international isoliert werden. Länder, deren Finanzinstitutionen weiterhin mit dem Iran Geschäfte machen, müssen mit Konsequenzen rechnen. Die USA veröffentlichten kürzlich eine Liste mit Ländern, die von diesen Sanktionen ausgenommen sind - die Türkei ist nicht darunter. Energieminister Yildiz betont jedoch: Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Das neue US-Gesetz, das nun auch Finanzinstitutionen von Drittstaaten, die Geschäfte mit dem Iran machen, sanktioniert, zwingt die Türkei zur Neuorientierung. Die USA veröffentlichte eine Liste mit Staaten, die von den Sanktionen ausgenommen werden, weil sie bereits den Ölimport aus dem Iran drastisch gesenkt haben. Die Türkei ist nicht darunter und gehört neben Indien, China und Südkorea zu den Hauptabnehmern von iranischem Öl (die Sanktionen sollen den Iran endgültig isolieren – mehr hier).

„Das Fehlen der Türkei auf der Liste der Ausnahmen der USA, heißt nicht, dass uns nicht trotzdem noch eine Ausnahme gewährt wird“, so Energieminister Taner Yildiz. Diplomatischen Quellen zufolge bemühe sich die Türkei derzeit noch, nachträglich in die Liste aufgenommen zu werden. Das berichten türkische Medien.

Trotzdem versuche man zeitgleich andere Öl-Lieferanten zu finden, denn die Türkei ist derzeit noch vor allem auf das iranische Öl angewiesen. „Wir müssen den Ölbedarf anders decken“, erklärte Yildiz. „Es ist nicht angemessen darüber zu diskutieren, ob die Öl-Abnahme aus dem Iran nun steigen oder sinken wird. Als erstes müssen wir dafür sorgen, dass die Nachfrage anders gedeckt wird“, so Yildiz.

Er befinde sich in Verhandlungen mit Saudi-Arabien und Libyen. Erst am Mittwoch traf sich Yildiz mit dem saudischen Vize-Öl-Minister Bin Salman. Öl aus diesen Ländern sei für die Zukunft eine Alternative zum Iran. Yildiz stellte klar, dass es für die Türkei nicht möglich sei, den Import von iranischem Öl zu stoppen, bevor nicht neue Lieferanten vorhanden seien (Greenpeace empfiehlt der Türkei, auf alternative Energien zu setzen – mehr hier). Premier Erdoğan wolle das Thema beim Atomgipfel am 26. März in Südkorea besprechen.

Die USA lobten zehn EU-Länder und Japan für die Reduzierung des aus dem Iran importierten Öls. Die Länder hätten „den Rohölkauf aus dem Iran deutlich verringert. Deshalb werde ich dem Kongress berichten, dass die Finanzinstitutionen dieser Länder nicht von den Sanktionen betroffen sein sollten“, so Außenministerin Clinton (die türkische halkbank ist eine der türkischen Finanzinstitutionen, die noch mit dem Iran Geschäfte machen – mehr hier). Damit sind die elf Länder jedoch nicht endgültig von den Sanktionen ausgeschlossen. Es handelt sich lediglich um eine sechsmonatige Gnadenfrist.

Mit 2,6 Millionen Barrel pro Tag landete fast die Hälfte des gesamten iranischen Öl-Exports bisher in Japan, China und Indien. Die Türkei importiert knapp 200.000 Barrel pro Tag. Für die türkische Öl-Abnehmer besteht nun die Gefahr, dass die anderen Länder die Ölpreise in die Höhe treiben.

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