Türkei will Gold der Bürger in Zertifikate umwandeln

Die türkische Regierung will die Gold-Reserven ihrer Bürger der Wirtschaft zugute kommen lassen, indem diese registriert und eingetauscht werden. So soll gleichzeitig auch die niedrige Sparquote angehoben werden. Das Vorhaben führt allerdings zu großer Verunsicherung, denn theoretisch müsste das Ersparte dann auch versteuert werden.

Die Türkei will die extrem niedrige Sparquote anheben. Zentralbank-Chef Erdem Başçı erklärte am Donnerstag, dies könne mit den Gold-Reserven der Bevölkerung funktionieren. „Wir wollen die Sparquote anheben, indem die Gold-Reserven angehoben werde“, so Başçı.

Um die Bürger dazu anzuregen, ihr Gold zur Bank zu bringen, sei geplant, ihnen Gold-Zertifikate auszuhändigen, erklärte Vize-Premier Ali Babacan der „Zaman“. Bei den zuständigen Juwelieren könnten die Bürger ihr Gold abgeben und bekämen dafür Zertifikate. Mit diesen könne man anschließend ein Goldkonto bei der Bank eröffnen. Sobald man einen Teil des Goldes zurück möchte, lässt man sich das jeweilige Zertifikat von der Bank ausstellen und geht damit zum Juwelier. Das Ziel der ganzen Aktion sei ein Teil des Reingoldes den Banken zukommen zu lassen und vor allem die Anhebung der Sparquote. Das in der gesamten Türkei kursierende Gold wird damit sichtbar gemacht.

Gold im Wert von 150 bis 300 Milliarden Dollar zu Hause

Die niedrigste Sparquote seit 30 Jahren wurde jüngst von Yavuz Canevi, Vorstandsmitglied der Türkischen Bank für Wirtschaft AS, zum größten Problem der Türkei erklärt (in Deutschland ist diese viel höher – mehr hier). Die Regierung und die türkische Zentralbank schätzen, dass die Bürger Gold im Wert von 150 bis 300 Milliarden Dollar zu Hause haben. Die türkischen Banken hatten insgesamt bis Ende des vergangenen Jahres Gold im Wert von 8,67 Milliarden Dollar und die Zentralbank zusätzlich Gold, das knapp elf Milliarden wert ist.

Die Regierung betont, dass die Bürger damit von der Bemühung befreit würden, das Gold im Haus zu „verstecken“. Außerdem entstünden beim Einlösen des Goldes keine weiteren Kosten, denn der echte Wert auf dem Zertifikat werde ausgegeben. Von negativen Konsequenzen ist nicht die Rede. Doch stellt sich sofort die Frage, inwiefern das Gold-Konto versteuert werden würde. Die heimischen Gold-Reserven sind dagegen bisher immer verlässliche Rücklagen gewesen, von denen der Staat nichts wusste.

Türkische Hausfrauen bilden Rücklagen in Gold-Schmuck

Nicht umsonst ist es üblich, dass bei Hochzeiten Gold im Wert von mehreren Tausend Dollar den Besitzer wechselt. Vor allem Hausfrauen, die im Fall der Fälle auf Ersparnisse angewiesen sind, sicherten sich so bisher immer eigene Rücklagen in Form von Gold-Schmuck. Geldsparen ist dagegen in der Türkei nicht so üblich, wie auf dem Rest der Welt, denn immer wieder kam es in der türkischen Geschichte zur starken Entwertung der Lira (das Zeichen der Lira hat sich kürzlich geändert – mehr hier). Noch bis vor elf Jahren nahm der Wert der Lira stetig ab. Während ein US-Dollar 1980 noch 90 Lira wert waren, war das 1995 46.000 Lira. Seit 2002 stieg die Türkische Lira wieder, bis sie seit einigen Jahren wieder stetig fällt (mehr hier).

Die Agentur zur Regulierung und Überwachung der Banken, die Vereinigung Türkischer Banken, und die Juwelier-Branche erklärten türkischen Medienberichten zufolge, sie arbeiten daran, die Gold-Reserven der Bevölkerung zu Sparzwecken den Banken zu übergeben.

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