Lebendig begraben: Türkischer Vater und Großvater bekommen lebenslänglich

Ein türkisches Gericht hat den Vater und den Großvater eines 16-jährigen Mädchens zu verschärfter lebenslanger Haft verurteilt. Der Teenager wurde tot aufgefunden, nachdem es zuvor von den beiden Männern 2009 lebendig im Hinterhof des Familienanwesens begraben wurde.

Wer das Loch im Boden betrachtet, dem läuft es unweigerlich eiskalt den Rücken herunter. Das Schicksal, das die kleine Medine Memi durch die Hände ihres eigenen Vaters und Großvaters ereilte, liest sich wie aus einem Horrorfilm aus Hollywood. Für die 16-Jährige wurde eine der schlimmsten Vorstellungen der Menschheit jedoch grausame Realität (Istanbul gilt im Moment als die gefährlichste Region für Frauen – mehr hier).

Hinweis führte Polizei auf die Spur der Familie

Ende Dezember 2009 wurde Medine Memi von ihrer Familie als vermisst gemeldet. Nachdem 40 Tage vergangen waren und es kein Lebenszeichen des Mädchens gab, erhielt die Polizei einen Hinweis, dass man doch mal das Haus der Familie in Adıyaman im Bezirk Kahta selbst näher unter die Lupe nehmen sollte. Während dieser Suche entdeckten die Beamten im Hinterhof des Anwesens ein zwei Meter tiefes Loch unter einem Hühnerstall. Dort wurde Medine begraben. Die Polizei fand das Mädchen in einer sitzenden Position vor. Ihre Hände waren auf dem Rücken gefesselt.

Die Ergebnisse einer Autopsie ergaben, dass Medina eine erhebliche Menge an Erde in ihrem Magen und in der Lunge gehabt hat. Für die forensischen Experten in Malatya, wo die gerichtsmedizinische Untersuchung durchgeführt wurde, deutet auf Grund dieses Befundes alles darauf hin, dass das Mädchen bei lebendigem Leib und vollen Bewusstsein begraben wurde.

Mädchen bat Polizei zuvor vergeblich um Hilfe

Doch hätte dieser furchtbare Mord verhindert werden können? (erst Anfang März wurde im türkischen Parlament ein Gesetz zum Schutz der Frau verabschiedet – mehr hier) Bevor Medine Memi getötet wurde, soll sie laut türkischen Medienberichten, Hilfe bei der Polizei gesucht haben (in Istanbul wurde kürzlich eine Frau von ihrem eigenen Ehemann erschossen, weil sie sich auf Facebook angemeldet hatte – mehr hier). Mehrere Male habe sie das Revier aufgesucht und habe dort von dem Missbrauch berichtet, den sie und ihre Mutter zu erleiden hätten.

Um auf ihre Lage aufmerksam zu machen, hatte sie schließlich bei der Polizei erklärt, ihr Großvater besäße illegal Waffen. Als die Beamten nichts fanden, verließen sie das Haus und überließen Medine damit ihrem grausamen Schicksal. Der Großvater, so schreiben türkische Medien weiter, habe ihr zunächst eine Pistole an den Kopf gehalten und wollte sie eigentlich gleich erschießen, nachdem er erfuhr, dass die der Grund für die Hausdurchsuchung gewesen sein. Der übliche „Familienrat“ soll dann allerdings beschlossen haben, sie lieber lebendig zu begraben.

Das Hohe Strafgericht von Adıyaman schloss am vergangenen Donnerstag den nun bereits zwei Jahre zurückliegenden Fall ab. Sowohl ihr Vater, Ayhan Memi, als auch der Großvater des Opfers, Fethi Memi, wurden wegen vorsätzlichen Mordes verurteilt. Beide Täter zeigten keinerlei Reue während der gesamten Verhandlung. Und mehr noch: Einem Antrag des Vaters auf Freispruch wurde nicht entsprochen. Er machte geltend, dass es tatsächlich Fethi Memi gewesen wäre, der das Mädchen begraben hätte.

Die beiden wurden zu verschärfter lebenslanger Haft verurteilt. Warum die beiden Männer diese grausame Tat überhaupt begingen, darüber gibt es keine näheren Angaben. Erwähnt wird lediglich, dass das Opfer mit Jungen gesprochen haben soll. (in der Türkei würden laut einem türkischen Sicherheitsexperten Frauen auch auf Grund häuslicher Gewalt in die Arme der PKK fliehen – mehr hier).

Debatte in Türkei und Ausland: War die Tat ein Ehrenmord?

Ihr Schicksal zog Anfang 2010 auch die deutsche Öffentlichkeit in den Bann. Das, was da im ostanatolischen Ort Kahta passiert war, ließ die Menschen sowohl hierzulande als auch in der Türkei aufschrecken. Die Debatte über Ehrenmorde war neu entfacht. Während der Rest der Welt darüber diskutierte, warum die Türkei dem nicht Einhalt gebieten könne, war die Debatte im Tatland jedoch eine ganz andere. Hier gingen die Meinungen auseinander, ob es überhaupt ein Ehrenmord war.

Mehr zum Thema:

Von türkischem Geschäftsmann missbraucht: Mädchen sinnt auf Rache
Frevel im Süden der Türkei: Vater verkauft 12-jährige Tochter
Gräueltat in Afghanistan: Mann tötet Ehefrau wegen Geburt einer Tochter


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.