Transplantation mit Todesfolge: Krankenhaus verliert Lizenz

Das Hacettepe Universitätsklinikum wird zukünftig keine Transplantationen mehr durchführen dürfen. Nach dem Tod eines Patienten, dem vier Gliedmaßen transplantiert wurden, wurde eine Untersuchung eingeleitet. Es stellte sich nun heraus, dass sein Tod hätte verhindert werden können.

Die weltweit erste dreifache Gliedmaßen-Transplantation in der Türkei sorgte Ende Januar international für Aufsehen. Es folgte ein weiterer Rekord: Die erste Gesichtstransplantation der Türkei (Ugur Acar hofft nun, dass die Menschen keine Angst mehr vor ihm haben – mehr hier). Weitere erfolgreich verlaufende Gesichtstransplantationen führten zu Jubel und dann ein weiterer folgenschwerer Rekord-Versuch: Şevket Çavdar sollten im Februar sowohl zwei Beine als auch zwei Arme transplantiert werden.

Hatte man leichtfertig mit dem Leben eines Patienten gespielt, um einen Rekord zu erzielen? Die Ärzte wurden nach den geglückten Operationen übermütig, sagten viele Kritiker und sollten damit Recht haben. Die vielen Transplantationen in kurzen Zeitabständen entfachten eine Debatte über die ethische Verantwortbarkeit in der Türkei. Zudem wurden am Hacettepe Universitätsklinikum Mitarbeiter des Krankenhauses gefilmt, wie diese Spenderorgane in einfachen Pappkartons transportierten und auch noch fallen ließen.

Eine Gesundheits-Kommission, die den Vorfall untersucht hatte, entschied, dass dem Hacettepe Klinikum die Lizenz für Transplantationen entzogen wird, wie die Medien am Freitag berichteten. Doch die Kommission untersuchte auch die anderen Transplantationen und stellte fest, dass die dreifach-Gliedmaßen-Transplantation im Akdeniz Krankenhaus im wahrsten Sinne des Worte nur „geglückt“ ist. Atilla Kavdir wurden dort zwei Arme und ein Bein transplantiert (seit seiner Kindheit, nachdem er drei Gliedmaßen beim Spielen mit einer Stromleitung verlor, wünschte er sich die OP – mehr hier). Das Bein wurde kurz darauf wieder abgenommen und er musste über Wochen auf der Intensivstation liegen (erst vor kurzem konnte er endlich seinen Sohn berühren – mehr hier). Nun ist klar: Auch hier wurden die Kriterien zu solch einer schweren OP nicht eingehalten.

Die zuständige Kommission kündigte außerdem weitere Änderung an, die solche Operation in Zukunft erschweren sollen und damit die Ärzte nicht den Ruhm, sondern das Wohl ihrer Patienten bedenken sollen. Derzeit reicht in der Türkei die Genehmigung einer Kommission aus, um eine Transplantation durchführen zu können. Zukünftig sollen mehrere Kommissionen die Entscheidung darüber treffen.

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