Boom in London: Ausländer stürmen die Türkisch-Kurse

Neben dem Erlernen der Weltsprache Englisch scheint es in London derzeit einen weiteren sprachlichen Trend zu geben. Wie das hieisige "Yunus Emre Culture Center" mitteilt, hat sich vor allem eine Sprache in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit bei Ausländern und Einheimischen, die in der Metropole leben, erfreut: Türkisch.

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Der wirtschaftliche Aufschwung, den die Türkei in den letzten Jahren erlebt (die Türken sparen so wenig wie nie zuvor – mehr hier), hat offenbar dazu geführt, dass viele Menschen, die aus verschiedenen Ländern kommen und derzeit in London leben, aber auch Menschen aus Großbritannien selbst, Türkisch-Kurse besuchen wollen, um anschließend einen Job in der fernen Türkei zu finden (dort herrscht momentan aber auch Bedarf an arabisch sprechenden Touristenführern – mehr hier).

Nahezu 150 Studenten aus 50 verschiedenen Nationen, berichtet Ahmet Alver, Türkisch-Lehrer und Bildungskoordinator in der Einrichtung, würden derzeit an Türkisch-Kursen im „Yunus Emre Culture Center“, das 2010 durch den türkischen Präsidenten Abdullah Gül eröffnet wurde, teilnehmen. Gerade in letzter Zeit, so Alver weiter, habe es eine deutliche Zunahme der Studierendenzahl in den Türkisch-Kursen gegeben. Das meiste Interesse an den sechs Mal wöchentlich stattfindenden Einheiten, würden nach Angaben des Lehrers die Briten selbst, aber auch die Griechen zeigen.

Vor allem Briten und Griechen an Türkisch-Kursen interessiert

„Jeder hat einen anderen Grund, warum er Türkisch lernen will. Einige haben einen türkischen Ehepartner, einige studieren Türkisch an der Universität. Doch vor allem die Briten und Griechen würden an eine Arbeitsstelle in der Türkei denken (doch noch immer hat die Türkei das höchste Leistungsbilanzdefizit aller G-20 Staaten – mehr hier). Sie wollen so schnell wie möglich Türkisch lernen, um dann in die Türkei zu gehen. Doch es gibt auch Personen, die Türkisch nicht aus einem speziellen Grund oder nur für den Urlaub erlernen möchten“, fasst Alver die verschiedenen Interessengruppen zusammen.

Vor allem griechische Studenten, so Alver weiter, würden in der Türkei arbeiten wollen und auch Briten würden die Sprache vor allem deshalb lernen, um dort Jobchancen zu haben (auch aus Griechenland selbst wandern viele in die Türkei aus – mehr hier). „Es gibt viele, die Türkisch in erster Linie aus ökonomischen Gründen erlernen.“ (in der Türkei gibt es derzeit 35 Milliardäre – mehr hier).

Kostas Skordles, Griechisch-Dozent an der Oxford University und Türkisch-Anfänger, ist der Ansicht, dass Türkisch eine sehr interessante Sprache sei. Sein Ziel ist es mit den Türken in ihrer Sprache zu kommunizieren und nicht in einer Fremdsprache. Auch er sieht die Beweggründe seiner Landsleute die türkische Sprache zu lernen vor allem in den wirtschaftlichen Gegebenheiten begründet (auf der anderen Seite verlost das Arbeitsamt in Batman rare Arbeitsstellen unter ungleich vielen Bewerbern – mehr hier). Für den Briten Mark Whitley stehen hingegen ganz andere Dinge im Vordergrund. Er hat eine türkische Freundin. Beide wollen im kommenden Juli heiraten und dann soll es mit dem Umzugswagen gen Istanbul gehen: „Ich lerne Türkisch, weil meine Freundin Anwältin ist und dort eine Kanzlei besitzt. Ihr Job läuft gut, deshalb wollen wir künftig in der Türkei leben.“

Nochmal anders ist die Sache für den Franzosen François Courant. Er interessiert sich für die türkische Kultur und das Land an sich. Er möchte im Sommer in die Türkei reisen und dort seine Sprachkenntnisse verbessern bevor auch er vielleicht einen Job dort findet. „Die Bedeutung der Türkei nimmt zu. Sie ist eine Brücke, die den Osten und den Westen eint“, so Courant weiter. Ähnlich wie für den britischen Türkisch-Schüler stehen auch für Allyn Tan aus Singapur eher private Interessen im Fokus. Sie hat einen türkischen Lebensgefährten, weshalb auch sie in Zukunft in der Türkei leben und arbeiten möchte (das internationale Business-Netzwerk Xing zieht sich derweil aus der Türkei zurück – mehr hier). „Ich liebe Istanbul, die wirtschaftliche Situation in der Türkei ist besser als die in Europa und das bedeutet auch mehr Beschäftigungsmöglichkeiten.“

Neues „Yunus Emre Culture Center“ in Beirut eröffnet

Doch nicht nur in London wird fleißig Türkisch gelernt. Ein  weiteres „Yunus Emre Culture Center“ ist auch im Libanon entstanden. Erst am vergangenen Mittwoch reiste der türkische Bildungsminister Ömer Dinçer für eine Reihe von Gesprächen in die libanesische Hauptstadt Beirut. Dort traf er unter anderem Premierminister Najib Miqat zusammen, um mit ihm gemeinsam an der Eröffnungszeremonie des „Yunus Emre Cultural Center“ in Beirut beizuwohnen.

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