Öl-Sanktionen, Religionsfreiheit, Wirtschaft: Die Türkei hat mehr Probleme als sie eingestehen möchte

Die Türkei hat in den vergangenen Jahren stark an Selbstbewusstsein gewonnen. Dieses stützt sich auf die erstarkende Wirtschaft und den steigenden politischen Einfluss im Ausland. Doch es gibt nicht nur Grund für Optimismus. Entgegen der vielen positiven Meldungen der Regierung hat das Land weiterhin große Probleme, die noch gemeistert werden müssen.

Aktuell: Le Pen: Sarkozy belügt die Türkei seit fünf Jahren

Eine boomende Wirtschaft, diplomatischer Einfluss, steigende Wählerzahlen für die Regierung: besser könnte es der Türkei nicht gehen – könnte man meinen. Doch die positive Fassade bröckelte in der vergangen Woche. Die Türkei tauchte nicht in der Liste der Länder auf, denen ein Aufschub für US-Sanktionen wegen Öl-Lieferungen aus dem Iran gewährt wurde. Hinzu kommt, dass Istanbul trotz gegenteiliger Behauptungen nach Angaben des Global Financial Centres Index nicht zu den weltweit konkurrenzfähigsten Finanzzentren gehört. Außerdem taucht die Türkei erneut in einem US-Bericht auf, der die Türkei wegen mangelnder Religionsfreiheit kritisiert.

Die AKP-Regierung legt in aktuellen Umfragen weiter zu. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung zeigt der Partei damit ihre Anerkennung für die Politik der vergangenen Jahre. Doch so langsam zeigt sich, dass vieles, was die Regierung versprochen hat, nicht umgesetzt werden konnte.

In Energiefragen ist die Türkei stark vom Ausland abhängig. Knapp 200.000 Barrel importiert die Türkei pro Tag aus dem Iran. Die Öl-Lieferungen seien jedoch nach Angaben der Regierung erst im Dezember stark gesenkt worden, von 40 Prozent ist die Rede. Trotzdem entschieden die USA, der Türkei keinen weiteren Aufschub zu geben (Energieminister Yildiz hofft noch auf eine nachträgliche Aufnahme in die Liste – mehr hier). Die USA wollen in der Türkei nun Hilfestellung bei der Suche nach neuen Öl-Lieferanten leisten (so wie bei der Bekämpfung der PKK – mehr hier).

Das starke Wirtschaftswachstum der Türkei kann allerdings niemand bestreiten. Es liegt auf der Hand, dass sie Türkei nun auch international als Wirtschaftsmacht auftreten will. Istanbul – so wird sein Jahren propagiert – wird das neue Finanzzentrum (und soll sich mit London und New York messen können – mehr hier). Doch so schnell wie erhofft klappt das nicht. Die Wirtschaft zeigt erste Anzeichen einer Schwächung (mehr hier). Die Konsumfreude eines großen Teils der Bevölkerung geht auf die Möglichkeit zurück, alles erdenkliche auf Pump kaufen zu können (mehr hier).
Die Z/Yen Group veröffentlichte den Global Financial Centres Index. In der Liste der stärksten Finanzzentren taucht Istanbul weit hinten auf. Das Ziel, sich mit London, New York und Hong Kong messen zu können, liegt in weiter Ferne. Istanbul konnte einen Platz gut machen und stieg von Rang 62 auf 61.

Doch damit nicht genug: die Türkei tauchte auf der Liste der besorgniserregenden Länder im Bereich der Religionsfreiheit der USA auf. Die Kommission für Internationale Religionsfreiheit hatte entschieden, die Türkei neben 15 anderen Ländern wie Bahrain, dem Irak, Nordkorea und Saudi Arabien aufzunehmen.

Das neue Selbstbewusstsein der Türken durch das stärkere Auftreten der Politiker im Ausland sollte nicht zu Übermütigkeit, sondern zu einem klareren Blick auf das eigene Land führen, ohne zu idealisieren. Erst dann können Kritikpunkte aus dem Weg geräumt werden.

Mehr zum Thema:

Südkorea setzt auf türkische Kaufkraft
Trotz Krise: Türkei will mehrere eigene Automarken bauen
Anteile an Staatseigentum: Griechenland hofft auf türkische Abnehmer

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.