Nach Protesten: Türkische Shampoo-Werbung mit Hitler wird nicht mehr gezeigt

Adolf Hitler als Werbeträger? Das geht nun wirklich zu weit, meinten in dieser Woche nicht nur zahlreiche türkische Medien, sondern auch die jüdische Gemeinde in der Türkei. Nachdem sich die verantwortliche Werbeagentur bisher unnachgiebig zeigte, rudert diese jetzt doch zurück.

Der Werbeclip samt dazugehörigem Text erzeugte Haarsträuben: „Wenn du keine Frauenkleider trägst, dann benutz auch kein Frauenshampoo. Hier ist es. Wenn du ein Mann bist, musst du dieses Shampoo benutzen. Richtige Männer nehmen das.“ Der Aufschrei war vorprogrammiert und vielleicht sogar kalkuliert (trotz Aufforderung der jüdischen Gemeinde in der Türkei wurde die fragwürdige TV-Werbung, in der Hitler für das Produkt wirbt, nicht zurückgezogen – mehr hier). Jetzt kommen aus dem zuständigen Hause M.A.R.K.A. jedoch völlig neue Töne. Wie die Agentur mitteilte, habe man den betreffenden Spot auf Grund der „heftigen gesellschaftlichen Reaktionen“ zurückgezogen (der Islamgegner Geert Wilders hatte den Koran mit Adolf Hitlers Pamphlet „Mein Kampf“ verglichen – mehr hier).

Agentur wollte sich über Adolf Hitler lustig machen

Agenturinhaber Hulusi Derici erklärte mittlerweile gegenüber der türkischen Tageszeitung „Hürriyet“, dass man zwar weiterhin hinter dem Werbeclip stünde, aber sich auf Grund der Gegenreaktionen entschlossen habe, den Spot zurückzuziehen. „Hätte anstelle von Adolf Hitler Mustafa Kemal Atatürk die Rede in dem Spot gehalten, hätten die Leute gesagt, wir würden uns über ihn lustig machen. Doch weil es Hitler ist, sagen sie, wir würden ihn promoten“, so Hulusi Derici gegenüber der Zeitung. Doch genau das Gegenteil sei der Fall gewesen. Laut Derici habe man sich in der Tat über den Diktator lustig machen wollen (der soll ein uneheliches Kind mit einem französischen Teenager gehabt haben – mehr hier).

Die gewagte Werbung hatte vor allem die jüdische Gemeinde in der Türkei auf den Plan gerufen. Das Oberrabbinat der Türkei verurteilte den Spot in einer Presseerklärung auf das schärfste und protestierte gegen die Agentur. Darin heißt es unter anderem: „„Wir wollen noch einmal ausdrücklichen daran erinnern, dass es vollkommen unakzeptabel ist, Gebrauch von Hitler – dem historisch größten Beispiel von Grausamkeit und Brutalität, einer, der mit seiner perversen Ideologie den Tod von Millionen Menschen zu verantworten hat – zu machen, um auf die Werbung aufmerksam zu machen.“ (Ironie der Geschichte: Als kleines Kind wurde Hitler vor dem Ertrinken gerettet – mehr hier)

Clip ist auf YouTube weiterhin einsehbar

Gezeigt wurde historisches Schwarz-Weiß-Material von einer Rede Adolf Hitlers, das mit deutschem Untertitel und türkischer Sprache versehen wurde. Auf YouTube ist der Spot allerdings immer noch zu finden. Seit dem 25. März ist er dort online und wurde bereits mehr als 200.000 Mal aufgerufen. In über 600 Kommentaren wird das Gezeigte zwar heiß diskutiert, ob es „gefällt“ oder nicht, darüber scheinen die User allerdings uneinig. Zumindest gibt es mit „Gefällt 425, gefällt 295 nicht“ (Stand 16.20 Uhr) keine deutliche Tendenz.

Mehr zum Thema:

Hitler als Werbeträger: Türkisches Shampoo wirbt mit Diktator
Erdogan erinnert Assad an das Ende von Hitler und Gaddafi
Ironie der Geschichte: Adolf Hitler wurde vor dem Ertrinken gerettet

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.