Kuwait: Twitter-User wegen Beleidigung des Propheten Mohammed verhaftet

Blasphemie via Social Media: Das ist auch für den strengen Golfstaat Kuwait keine alltägliche Angelegenheit. Wie das hiesige Innenministerium nun mitteilte, kam es nun aber doch zu einem solchen, verbotenen Akt. Ein Mann wurde festgenommen, weil er den Propheten Mohammed via Twitter beleidigt haben soll.

Bereits seit 1961 ist Blasphemie in Kuwait illegal. Anders als im Nachbarstaat Saudi Arabien wird ein solches Vorgehen hier jedoch nicht mit dem Tode bestraft. Dort sorgte übrigens erst im vergangenen Februar der Fall des 23-jährigen Kolumnisten Hamza Kashgari für Aufsehen. Er war wegen seiner Mohammed-Tweets, in denen er Gedanken über die menschliche Natur Mohammeds geäußert hatte, zunächst nach Kuala Lumpur geflohen, dort aber den saudischen Diplomaten ausgeliefert  worden. Zeitgleich riefen saudische Geistliche und ihre Anhänger in einer großangelegten Kampagne über Twitter, Facebook und YouTube zur Hinrichtung des jungen Mannes auf (mit einer saudischen Autofahrerin wurde sich hingegen solidarisiert – mehr hier).

Doch zurück zum Vorfall in Kuwait. Der Mann, dessen Name in der Presse nicht genannt wird, soll den islamischen Glauben diffamiert und den Propheten Mohammed sowie seine Gefährten und seine Frau sogar verleumdet haben. So das Ministerium in einer Erklärung, die von der staatlichen Nachrichtenagentur KUNA verbreitet wird. Zu den Anschuldigungen werde der Twitterer im Vorfeld der Gerichtsverfahren noch verhört (Eine Debatte über den Propheten Mohammed löste auf der türkischen Internetplattform Ekşi Sözlük im vergangenen Juni schwere Spannungen unter den Forumsteilnehmern aus – mehr hier).

Null-Toleranz-Politik bei Bekämpfung schwerer Straftaten

Das Ministerium, so heißt es weiter, „bedauert den Missbrauch von sozialen Netzwerken von bestimmten Personen, um grundlegende islamische und geistige Werte zu verletzen“ und weist gleichzeitig darauf hin bei der Bekämpfung dieser schweren Straftaten eine Null-Toleranz-Politik zu fahren.

Erst im vergangenen September verurteilte ein Gericht in Kuwait einen Mann wegen Beleidigung der Golf-Herrscher und des Postens aufrührerischer und sektiererischer Kommentare innerhalb Sozialer Netzwerke. Nach der Urteilsverkündung wurde er jedoch sofort entlassen. Seine Strafe hatte er, so berichtet ein Menschenrechtsaktivist, mit der Untersuchungshaft bereits verbüßt.

User: „Ich würde niemals den Heiligen Propheten beleidigen!“

Die Microblogging-Plattform Twitter gehört zu den beliebtesten Seiten in Kuwait. Viele Politiker, Journalisten und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nutzen die Seite, um aktuelle Ereignisse zu diskutieren oder die neuesten Gerüchte auszutauschen. Populäre User können hier auch schon mal Hunderttausende Anhänger haben.

Der jetzt Verhaftete bestreitet die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen. In den kuwaitischen Medien wird er mit den Worten zitiert „Ich würde niemals den Heiligen Propheten beleidigen!“ Er vermutet, dass sein Account Ziel eines Hackers-Angriffs war und ein Unbekannter die Postings an seinerstatt verfasst hat (in der Türkei kam es im vergangenen September zu einer Art Karikaturenstreit. Mit seiner Karikatur soll Ömer Bahadır Batuhan religiöse Werte beleidigt haben – mehr hier)

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