„Little Istanbul“: Mannheim will mit neuem Markenzeichen für türkischen Stadtteil werben

Die Stadt Mannheim versucht durch die Bildung eines Markenzeichens Einkaufsviertel in bestimmten Regionen zu fördern. Im Volksmund sind die Bezeichnungen „Little Istanbul“ oder „Klein Istanbul“ schon längst verbreitet. Doch diese Namen seien nicht im Gespräch, so eine Rathaussprecherin.

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Im Internet verbreitete sich vor einigen Tagen die Nachricht, ein Mannheimer Stadtteil solle offiziell umbenannt werden. Der Stadtteil umfasst die Strassen G1, H1, G2 und H2 und solle in Zukunft einen türkischen Namen tragen, schrieb die Sabah.

Der regionalen Tageszeitung Mannheimer Morgen erklärte die Rathaussprecherin Claudia Stengel, dass es sich hier um ein Missverständnis handele. „Es geht um eine Markenfindung und eine Werbeplattform für die westliche Unterstadt“, betonte sie. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus türkischen und deutschen Gewerbetreibenden, Anwohnern, Rathaus-Mitarbeitern sowie Stadt- und Bezirksbeiräten habe allerdings entschieden, dass Bezeichnungen wie „Little Istanbul“ oder auch die deutsche Version nicht in Frage kämen.

Im Internet versuchten verschiedene Gruppen eine Umbenennung eines Mannheimer Stadtteils zu verhindern. Dabei handelte es sich allerdings um eine Falschmeldung. (Foto:flickr/aylamillerntor)

Im Internet versuchten verschiedene Gruppen eine Umbenennung eines Mannheimer Stadtteils zu verhindern. Dabei handelte es sich allerdings um eine Falschmeldung. (Foto:flickr/aylamillerntor)

Die ursprüngliche Falschmeldung sorgte für breite Proteste. Im Internet lief nach dem ersten Bekanntwerden eine regelrechte Protestbewegung gegen die „Namensfindung G 2/H 2“. Auf Facebook formierte sich die Gruppe „Briefaktion gegen ‘Little Istanbul’“. Auch der Zentralrat der Armenier in Deutschland zeigte sich empört. Für diesen werden viele andere Bewohner des Viertels übergangen.

Er fragte sich „ob die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung darüber nachgedacht haben, wie viele nichttürkische und/oder nichtislamische Migranten aus der Türkei in dem Viertel leben, die froh sind, den Repressalien in ihrer alten Heimat entkommen zu sein und eine neue Heimat in Deutschland gefunden zu haben: Armenier, Kurden, Assyrer, Aleviten, Griechen, Yeziden“. Der Zentralrat fühlt sich an die Maßnahmen des jungtürkischen Komitees für Einheit und Fortschritt erinnert, das verschiedene Ortsnamen türkisierte.

Wie hier in Istanbul gibt es in dem Mannheimer Viertel viele türkische Boutiquen und Läden.  (Foto:flickr/Toby Simkin)

Wie hier in Istanbul gibt es in dem Mannheimer Viertel viele türkische Boutiquen und Läden. (Foto:flickr/Toby Simkin)

Die Maßnahme zeige, dass Integration weder auf Seiten der Stadt noch auf Seiten der beteiligten Bewohner des Viertels wirklich ernst genommen wird. Und, schlimmer, beide Seiten fördern die Abkapselung einer Gruppe von Einwanderern gegen andere und gegen die verbliebenen Deutschen.

Die Mannheimer Jusos verurteilten rechtspopulistische Äußerungen im Internet. Sie schlagen sogar vor, den Namen „Klein Istanbul“, „da dieser die Akzeptanz in der Bevölkerung hat“. Christian Dristram, Vorsitzender der Jusos Mannheim erklärte in einer Pressemittleiung zur ursprünglichen Nachricht: „Mannheim ist eine bunte Stadt mit internationalem Profil. Die Stadt kann und soll offensiv mit ihrer Offenheit und Interkulturalität werben. Eine offizielle Benennung des Viertels, um die Vorzüge Mannheims zu unterstreichen, begrüßen wir ausdrücklich.“

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