EU-Projekt: Türkische Meister lassen bulgarische Schüler über ihre Schultern schauen

Schrauben, schweißen, löten: Für viele junge Männer auf der ganzen Welt ist der Kfz-Mechaniker immer noch ein Traumberuf. Im Rahmen eines EU-Projekts erhalten jetzt Schüler aus Bulgarien die Möglichkeit gemeinsam mit Meistern in der westtürkischen Provinz Edirne unter die Haube zu schauen.

Im Rahmen ihrer Ausbildungsexkursion erhalten die bulgarischen Jugendlichen die Möglichkeit grundlegende Fähigkeiten wie etwa ein Ölwechsel, Grundzüge der Auto-Elektronik, eine Getriebe-Reparatur oder etwa das Auswuchten von Reifen direkt von türkischen Meistern ihres Faches zu erlernen (wegen des neuen Schulgesetzes kam es kürzlich im türkischen Parlament zu einer handfesten Prügelei – mehr hier).

Schüler sollen Kompetenzen mit in die Heimat nehmen

Wie der stellvertretende Gouverneur von Edirne, Ayhan Özkan, mitteilte, seien im Rahmen des so genannten „Leonardo da Vinci“-Projekts (mit einem Wortspiel zur Sache wurde EU-Minister Egemen Bagis bereits zum Twitter-Trend – mehr hier) derzeit 20 Schüler in der Stadt zu Gast, die nun als kulturelle Botschafter in ihr Heimatland zurückkehren würden (im September letzten Jahres hat die Türkei bereits 300 somalische Studenten empfangen – mehr hier). „Die Schüler aus Kurumovgard werden für 20 Tage unsere Gäste sein. Unter ihnen sind auch Schüler türkischen Ursprungs. Der Automobilsektor ist einer der führenden Sektoren in der Türkei. Unsere Schüler werden diese Technologien erlernen und dann in ihrem Land anwenden.“ (ein Zentrum für Literatur soll hingegen in Izmir entstehen – mehr hier)

Ertunga Bilgiç, Generaldirektor von Tuzcular Automotive A.Ş., eines der Unternehmen, das seine Pforten für die bulgarischen Schüler öffnet, erklärte, dass er sehr stolz darauf sei, dass sein Unternehmen im Hinblick auf seine Technologien und Standards für dieses Ausbildungsprojekt ausgewählt wurde.

Dass die berufliche Ausbildung in der Türkei künftig noch besser wird, darauf bauen auch die türkischen Unternehmer. Vertreter der türkischen Geschäftswelt haben bereits Mitte März dieses Jahres auf dem 1. Uludağ Wirtschaftstreffen in Bursa ihre Zustimmung hinsichtlich des neuen dreigliedrigen Bildungssystems, das eine stärkere Betonung der beruflichen Bildung in den Schulen vorsieht, geäußert. Zwar gelte es sich noch intensiv und mit allen Beteiligten über die Details auseinanderzusetzen, doch wie etwa die TÜSİAD, die Vereinigung türkischer Industrieller und Geschäftsleute herausstellt, ermögliche das neue Bildungssystem den Kindern künftig bereits nach vier Jahren sich flexibler in andere Arten von Bildungseinrichtungen einzuschreiben – zum Beispiel in so genannte Gewerbeschulen. Dort stehe vor allem die technische Ausbildung im Mittelpunkt und biete für die Jugendlichen flexible Optionen, was die Wahl unterschiedlicher Felder oder Berufe angehe (nicht nur das Wirtschaftswachstum der Türkei soll durch qualifizierte Arbeitskräfte nachhaltig gestärkt werden, auch die Jugendarbeitslosigkeit gelte es zu bekämpfen – mehr hier).

„Leonardo da Vinci“: Bis 2013 Gesamtbudget von 1.725 Mio. Euro

Ziel des EU-Programms „Leonardo da Vinci“ ist die Förderung der grenzübergreifenden beruflichen Bildung. Im Rahmen dessen soll es Menschen, die sich mitten in der Berufsausbildung befinden oder eine solche gerade abgeschlossen haben, ermöglicht werden, ihre Kenntnisse durch einen Auslandsaufenthalt weiter zu vertiefen. Doch das Projekt ist nicht auf die Schüler beschränkt: Auch Ausbilder können hier die Berufsbildungssysteme und -praktiken in den anderen EU-Ländern kennen lernen. Zuständig für die Organisation ist allerdings nicht die EU, sondern die Institutionen oder Organisationen in den einzelnen Ländern selbst. Aus Brüssel kommt jedoch die Finanzierung. Bis 2013 steht hierfür ein Gesamtbudget von 1.725 Mio. Euro zur Verfügung.

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