Schuh-Wurf: Vier Studenten wegen Attacke gegen türkischen Minister verhaftet

Eine junge Studentin protestierte gegen die Umwandlung Istanbuls mit einem Schuhwurf. Den Minister, auf den sie es abgesehen hatte, verfehlte sie allerdings. Erdogan Bayraktar nahm es mit Humor.

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An der Istanbuler Okan Universität wollte Erdogan Bayraktar, Minister für Umwelt und Städtebau, einen Vortrag zum geplanten städtischen Umwandlungsprojekts halten. Eine Gruppe von Studenten protestierte während des Vortrags und warf einen Schuh nach Bayraktar. Treffsicherheit hat die junge Aktivisten jedoch nicht bewiesen. Der Schuh landete weit abseit rechts von Bayraktar.

Die vier Studenten wurden anschließend überwältigt und in Gewahrsam genommen. Die Studentengruppe „Jugend Opposition“ erklärte in einer Stellungnahme: „Nachdem der Schuh bereits für Burhan Kuzu und den Präsidenten des IWF zu einem Albtraum geworden ist, hat er diesmal Umweltminister Bayraktar getroffen. Schuhe werden sie weiterhin finden, solange sie unser Land in dunkle Tunnel ziehen, unsere öffentlichen Räume kommerzialisieren und imperialisieren“. Strauss-Kahn wurde 2009 in Istanbul von einem türkischen Studenten ebenfalls mit einem Schuh beworfen und auch den AKP-Abgeordneten Burhan Kurz traf eine solche Attacke zwei Jahre später.

Bayraktar konnte auch kurz nach der Schuh-Attacke wieder scherzen. Er erklärte zum Vorfall, er hätte sich gewünscht, dass die Aktivisten beide Schuhe geworfen hätte. „’Gib mir beide Schuhe, damit wir sie jemand anderem geben können‘, habe ich gesagt, einen habe ich jetzt und der andere ist bei ihr geblieben. Das ist nicht gut. Der Schuh war neu und schön“. Das Projekt soll viele Gegenden erdbebensicherer machen (mehr hier). Doch viele Einwohner bangen um ihre Häuser. Denn zur Veränderung soll auch das neue Finanzzentrum in Istanbul gehören (mehr hier).

Der berühmteste Schuhwerfer ist Muntazer Al-Zaidi. Er bewarf 2008 US-Präsident Bush gleich mit beiden seiner Schuhe bei einer Pressekonferenz im Irak und rief Bush dabei zu: „Das ist ein Abschiedskuss, du Hund. Dies ist von den Witwen, Waisen und allen, die im Irak getötet worden sind.“ Er wurde verhaftet und nach vielen Protesten nach weniger als einem Jahr wieder entlassen.

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