Disput in Indonesien: Sind Miniröcke Pornographie?

Modisch und sexy oder absolut verwerflich? In Indonesien scheint über eines der wohl berühmtesten Kleidungsstücke der Welt, den Minirock, keine Einigkeit zu herrschen. Die hiesige Kommission für die Rechte der Frauen hat am vergangenen Donnerstag den Vorschlag eines Ministers verurteilt, der die kurzen Textilien auf Grundlage des Anti-Pornographie-Gesetz verbieten lassen will.

Inmitten einer breiten Debatte über Meinungsfreiheit und Religion im bevölkerungsreichsten muslimische Land der Welt, lässt der indonesische Minister für Religiöse Angelegenheiten, Suryadharma Ali, die Ansicht verlauten, dass Röcke, die „oberhalb des Knies“ enden, als pornographisch definiert werden sollten (ein türkischer Vater hat auf einem neu gekauften Tablet PC Pornographie entdeckt – mehr hier).

Masruchah, stellvertretende Leiterin der Nationalen Kommission für Gewalt gegen Frauen, eine unabhängige Kommission, die jedoch die Unterstützung der Regierung genießt, ist entsetzt: „Dieses Land macht immer noch Schritte rückwärts“, so ihre Einschätzung. „In einer demokratischen Nation muss die Regierung sicherstellen, dass jeder das Recht ausüben kann, sich frei auszudrücken, wie es von der Verfassung garantiert wird.“ Das Land müsse aufhören den Körper der Frauen zu kriminalisieren und ihrer Kleidung die Schuld für sexuelle Übergriffe zu geben.

Kunst, Tanz, Musik und Poesie wird kriminialisiert

In der Tat ist diese Denkweise noch immer weit verbreitet. Erst im letzten Jahr beschuldigte der Gouverneur von Jakarta, Fauzi Bowo, die Opfer von Vergewaltigungen in öffentlichen Minibussen selbst schuld zu sein, da sie Miniröcke getragen hätten. 2008 wurde in Indonesien ein Anti-Pornographie-Gesetz verabschiedet, das jegliche Arbeit oder Körperbewegungen, die als öbszön gedeutet werden könnten oder die öffentliche Moral verletzen, einschließlich Kunst, Tanz, Musik und Poesie, kriminialisiert.

Das Gesetz sorgte für weitverbreiteten Unmut. Der Vorwurf: Es wäre drakonisch und würde Frauen diskriminieren. Suryadharma Ali wurde zum Vorsitzenden der Anti-Pornographie-Taskforce, die erst diesen Monat eingesetzt wurde, um das umstrittene Gesetz zu implementieren, das bereits Tänzer, Stripper und Pop-Stars hinter Gitter gebracht hat.

Popstar Nazriel „Ariel“ Irham: Verhaftet wegen Sex-Videos

„Es muss eine Reihe von universellen Kriterien geben, um etwas als pornografisch zu definieren, eine davon wird sein, wenn der Rock einer Frau oberhalb des Knies endet“, zitiert die „Jakarta Post“ den Minister. Nur drei Wochen zuvor schlugen gleich mehrere Parlamentarier vor, dass man weiblichen Abgeordneten das Tragen von Miniröcken verbieten sollte. Die Argumentation war hahnebüchen: Angeblich provoziere eine solche Kleidung die Männer dazu Dinge zu tun, die sie gar nicht wollten. Für Aufsehen sorgte im vergangenen Jahr hingen der Fall von Popstar Nazriel „Ariel“ Irham, Lead-Sänger in der Band Peterpan. Er wurde ins Gefängnis gesteckt, weil sie zwei Sex-Videos aufgenommen hatte, die im Internet und über Mobiltelefone verbreitet wurden (der Fall sorgte für breite Diskussionen. Den einen schienen drei Jahre Haft und 28.000 Dollar Geldstrafe zu mild, den anderen zu hart – mehr hier).

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