Belastetes Obst und Gemüse: Türkischer Landwirtschaftsminister weist Greenpeace Vorwürfe zurück

Eine aktuelle Greenpeace-Auswertung, die unter anderem über Belastungen in türkischem Obst und Gemüse Auskunft gibt, wurde vom türkischen Landwirtschaftsminister Mehdi Eker scharf zurückgewiesen. Er bezeichnete die Vorwürfe als "Verleumdung". Greenpeace hingegen weist darauf hin, dass die Ergebnisse nicht einzig auf türkische Produkte abzielen würden. Insgesamt wurden Importe aus über 80 Ländern untersucht.

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Der türkische Landwirtschaftsminister Mehdi Eker reagierte Mitte der vergangenen Woche empfindlich auf einen Greenpeace-Bericht, in dem angegeben wird, dass türkisches Ost und Gemüse Spuren von schädlichen Pestiziden, die als schädlich für den menschlichen Verzehr gelten, enthalten würden (die Türkei möchte nach dem Vorbild der EU die Nahrungsmittelsicherheit stärker überwachen, mehr hier).

Noch vor zehn Jahren, so zitiert die türkische Zeitung „Hürriyet“ Minister Eker, habe die Türkei 30 Millionen Tonnen Obst und Gemüse produziert und nutzte hierfür  50,000 bis 56,000 Tonnen Pestizide. Heute hingegen hat sich das Verhältnis gewandelt. Wie Eker während eines Treffens in der Provinz Antalya weiter erläutert, würden bei einer Produktion von 40 Millionen Tonnen derzeit 20,000 Tonnen weniger Pestizide zum Einsatz kommen. „Die Türkei nutzt heute viel weniger Pestizide, wir haben unsere Nutzung auf rund 35.000 Tonnen reduziert“, führt Eker aus. Er fügt an, dass mittlerweile 75 Sorten von Pestiziden verboten wurden und dass heutzutage eine Verordnung notwendig sei, um Pestizide überhaupt erwerben zu können (insgesamt ist der türkische Landwirtschaftssektor im Umbruch. Es gibt immer weniger Bauern, die von ihren Einkünften leben können – mehr hier).

Eker: Türkei hält sich an Richtlinien der EU und der WHO

Im Greenpeace-Bericht wirde angegeben, dass eine gesundheitsgefährdende Konzentration von Pestiziden besonders häufig in Paprika, Birnen und Tafeltrauben aus der Türkei zu finden waren. Laut Eker habe sich sein Ministerium intensiv mit den Ergebnissen dieses Reports auseinandergesetzt. In der Türkei gebe es rund 7,500 verfügbare Landwirtschaftsexperten, um das Gemüse, das hierzulande produziert würde, zu untersuchen. Darüber hinaus folge die Türkei sowohl den Richtlinien und Normen der EU als auch der Weltgesundheitsorganisation (WHO), was die Verwendung von Pestiziden angehe. „Wir haben nicht eine einzige Beschwerde über unsere Trauben aus einem EU-Land erhalten, in das wir exportieren“, so der Politiker weiter und fügte hinzu, dass er glaube, dass „bestimmte Kräfte“ daran arbeiteten, um das Ansehen der Türkei zu schädigen (auch die Folgen des Milch-Skandals versuchte der Minister mit dem Verzehr eines Glas Milchs wegzulächeln – mehr hier).

Seiner Ansicht nach wären es „Kräfte“, die eifersüchtig seien auf den Erfolg der Türkei hinsichtlich seiner Exporte. Eker jedenfalls, so zitiert ihn die Nachrichtenagentur Doğan, sei von dem Greenpeace-Bericht „geschockt“ gewesen. „Das sind Verleumdungen“, so der Minister.

Greenpeace-Sorge gilt vor allem Thailand und Indien

Greenpeace-Sprecherin Deniz Sözüdoğru ist da anderer Ansicht. Ihrer Meinung nach sprächen die Zahlen des Berichts für sich. In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der „Hürriyet Daily News“ stellte sie noch einmal heraus, dass der Bericht nicht auf die Türkei abgezielt hätte. „Es geht nicht allein um türkische Exporteure, wie es in der Türkei dargestellt wird. Indessen sind es die Länder Thailand und Indien, die die meisten Pestizid belasteten Produkte exportieren. EU-Länder und die Türkei haben auch einen hohen Pestizid-Einsatz.“

Mehr als 40 Prozent der Proben aus Indien und mehr als 30 Prozent der Proben aus  Thailand überschritten laut Greenpeace-Bericht die zulässigen Pestizid-Grenzwerte. Der Bericht wurde, so Sözüdoğru weiter, durch Beamte der deutschen Lebensmittelsüberwachung vorbereitet. Die Daten würden aus den Jahren 2009 bis 2010 stammen und sich auf mehr als 22,000 Stück Obst und Gemüse aus deutschen Supermärkten und von Lebensmittelhändlern beziehen, die aus 80 verschiedenen Ländern nach Deutschland importiert würden. Der größte Teil stammte jedoch aus deutscher Produktion. Die Auswertung, so Sözüdoğru weiter, sei nicht dazu gedacht gewesen per se die Türkei oder türkische Exporteure ins Visier zu nehmen, wie es das türkische Ministerium für Landwirtschaft darstelle. Untersucht worden seien auch Obst und Gemüse wie Weintrauben, Kirschen und Äpfel aus Deutschland, die Pestizide enthielten.

In der Zwischenzeit meldete sich auch İbrahim Yetkin, Vorsitzdender des Türkischen Landwirtschaftsverbandes, zu Wort. Er stellte heraus, dass die Türkei weltweit eines der Länder mit dem geringsten Pestizid-Einsatz wäre.

Greenpeace veröffentlicht Ratgeber „Essen ohne Pestizide“

Im Auftrag der Umweltorganisation hatten Experten mehr als 22 000 Proben der deutschen Lebensmittelüberwachung aus den Jahren 2009 und 2010 neu bewertet. Dazu kamen Daten aus Pestizid-Tests von Greenpeace selbst. Das Ergebnis der Auswertung: In 80 Prozent des konventionell erzeugten Obstes und in mehr als 55 Prozent der Gemüseproben fanden sich Pestizide. In 3,1 Prozent der Fälle wurde beim Obst der in der EU gültige Höchstgehalt überschritten. Beim untersuchten Gemüse waren es laut Greenpeace 4,8 Prozent der Fälle. Beim Kopfsalat lagen etwa Proben aus Belgien, Holland und Italien ganz vorne. Insgesamt wurden in den Proben 351 Wirkstoffe gefunden. In den meisten Fällen waren die Produkte nicht nur mit einem Stoff belastet. Den vielfältigsten Mix mit 24 verschiedenen Pestiziden fand man in türkischen Tafeltrauben vor.

Greenpeace veröffentlichte am vergangenen Montag einen 24 Seiten starken Ratgeber „Essen ohne Pestizide“, der Verbraucher via Ampelsystem Empfehlungen ausspricht.

Eine Zusammenfassung der Greenpeace-Auswertung kann hier heruntergeladen werden.

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